"Ein Sams zu viel" in Aachen: Viel Schabernack, keine Langeweile

Das Da Theater : Mit dem Sams kommt kein bisschen Langeweile auf

Schabernack zwischen Rotkohldose und Sandwichkarton: Das Aachener Das Da Theater zeigt für Kinder „Ein Sams zu viel“.

Es klettert aus dem Fenster auf den Balkon, es stibitzt der Vermieterin die Würstchen, und es tut selten das, was sein Papa möchte. Und gerade deshalb ist das Sams bei Kindern so beliebt. „Ein Sams zu viel“ – kann es das also überhaupt geben? Am Samstag feierte das Theaterstück nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Paul Maar umjubelte Premiere im Aachener Das Da Theater.

Ganz leicht haben es Bruno Taschenbier und seine Vermieterin Frau Rotkohl mit dem Sams tatsächlich nicht. Es verstellt den Putzeimer, es ist nie da, wo es sein soll, und es interessiert sich augenscheinlich auch nicht für den Geburtstag seines Papas Taschenbier. Doch das stimmt nicht. Es hat sogar eigens den letzten, hinterm Ohr versteckten Wunschpunkt für diesen Anlass aufgehoben.

Herr Taschenbier hat das mit dem genauen Wünschen allerdings noch nie so recht verstanden. Im Streit mit Frau Rotkohl lässt er sich hinreißen: „Ich wünschte, Sie hätten auch einmal so ein Sams.“ Und da steht es dann. Äußerlich gleich wie das Taschenbier-Sams: gelb-blauer Taucheranzug, rote Strubbelhaare und Schweinenase (Ausstattung Nadine Dupont). Innerlich ganz anders: Vegetarier, brav und so süß, dass sogar Frau Rotkohl gleich hingerissen ist. In vielerlei Hinsicht eine Herausforderung für das Taschenbier-Sams . . .

Anke Jansen geht in der verrückten Rolle des Taschenbier-Sams auf. Sie hat sichtlich Freude an dem ganzen Schabernack, den sie anstellen darf, springt über die Bühne und auch mal auf ihre Ensemble-Kollegen. Und holt damit die Kinder in der ersten Sekunde ihres Auftritts auf ihre Seite.

Mehdi Salim als das Rotkohl-Sams hat es da schon ein bisschen schwerer. Er verpasst dem zweiten Sams einen leicht dümmlichen und verbiesterten Charakter.

Tine Scheibe als Frau Rotkohl, Maciej Bittner als Bruno Taschenbier und – nicht zu vergessen – Felix Freund als Anton Mon spielen ihre Rollen, wie sie im Buche stehen: Frau Rotkohl streng und unnachgiebig, Herrn Taschenbier immer ein wenig verzweifelt, Herrn Mon etwas ab von der Welt. Alle gemeinsam stellen ein mitreißendes Gesangsensemble (Musik von Christoph Eisenburger).

Sie können sich auf der Bühne gehörig austoben, denn Frank Rommerskirchen hat sie überschaubar gestaltet: Eine überdimensionale Rotkohldose für Frau Rotkohls Reich, eine Malzbierdose für Taschenbiers Zimmer, eine Geraniensamentüte für den Balkon, eine Back-Mohn-Verpackung für die Haustür, durch die in erster Linie Herr Mon spaziert. Für Bewegung sorgt vor allem ein dreieckiger Sandwichkarton, der als Treppe und Keller besonders von den Samsen geschoben, beklettert und als Versteck oder Verlies genutzt wird.

Regisseur Achim Bieler hat aus dem beliebten Kinderbuchklassiker eine lustige Kindertheateraufführung kreiert, in der definitiv keine Langeweile aufkommt.

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