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Düsseldorf/Moskau: Ein russisches Gipfeltreffen am Rhein

Düsseldorf/Moskau : Ein russisches Gipfeltreffen am Rhein

Erstmals in ihrer langen Geschichte haben sich die vier bedeutendsten Kunstmuseen Moskaus und St. Petersburgs zusammengetan, um in Düsseldorf mit hochkarätigen Leihgaben ein Kapitel west-östlicher Kulturgeschichte zu illustrieren.

„Bonjour Russland” heißt diese erste gemeinsame Präsentation der Eremitage und des Russischen Museums aus Petersburg sowie der Tretjakow-Galerie und des Puschkin-Museums aus Moskau. „Bühne” für die außergewöhnlichen Premiere ist nicht etwa ein Ausstellungshaus in Russland, sondern das museum kunst palast am Rheinufer der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt.

124 Gemälde

124 Gemälde von Cézanne, Renoir und Repin bis zu Chagall und Malewitsch werden die „Wanderung” avantgardistischer Kunstströmungen der Zeit von etwa 1870 bis 1925 zwischen Frankreich und Russland beleuchten. Ein Thema gegenseitiger Faszination steht nach Jahren erneut auf dem kulturhistorischen Prüfstand, das bereits - noch zu Sowjetzeiten - mit den Fixpunkten „Moskau-Paris” als weithin beachtete Ausstellung gezeigt worden ist.

Bei der Darstellung der Einflüsse aus Paris auf russische Künstler dürfe nicht übersehen werden, „wie schnell die Schüler ihre Meister eingeholt haben, um neue Horizonte in der Kunst nicht nur für Russland, sondern für ganz Europa zu erschließen”, kommentiert der für Düsseldorf tätige Ausstellungskurator Norman Rosenthal von der Royal Academy of Arts in London, der die vom Energiekonzern E.ON gesponserte Schau anschließend noch zu einer zweiten Station an die Themse holt.

Wer die höchst unterschiedlichen Temperamente der russischen Museumsleiter wie den weltläufigen Eremitage-Chef Michail Piotrowski oder seine Moskauer Kollegin Irina Antonowa, langjährige Hardlinerin sowjetischer und postsowjetischer Kulturpolitik, kennt, kann den Drahtseilakt der diffizilen Ausstellungs-Vorbereitungen ermessen. Dass das schwierige Unternehmen schließlich geklappt hat, war dem Vernehmen nach selbst für die beteiligten Russen verwunderlich.

„Es war manchmal eine Art Wettrennen”, schildert Ko-Kurator Mattijs Visser. Zunächst seien die Museen mit ihren Leihgaben, darunter der legendäre „Tanz” (1910) von Matisse oder Malewitschs epochales „Schwarzes Quadrat” (um 1923), eher zurückhaltend gewesen. Dann hätten sie sich plötzlich mit Angeboten zu übertrumpfen versucht. Das jeweils eigene Haus sollte beim „Rendezvous am Rhein” wohl möglichst strahlend dastehen.

Wer unter den Kunstfreunden mag, kann auch Revolutionsführer Lenin danken: Er ließ 1918 die hochkarätigen Sammlungen zweier schwerreicher Moskauer Kaufleute mit Meisterwerken der Klassischen Moderne enteignen.

Die Kollektionen wurden später auf das Puschkin-Museum und die Eremitage verteilt, die sich nun auf Zeit von ihrer Avantgarde-Kunst des frühen 20. Jahrhunderts für die Düsseldorfer Schau getrennt haben: Zu bewundern sind bald je fünf Werke Cezannes, Gauguins, von Matisse und Malewitsch, sechs Picassos sowie die starke Riege der Künstlerinnen wie Ljubow Popowa oder Natalija Gontscharowa aus Russlands „heroischen” Jahren des Aufbruchs in die Moderne.