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Düsseldorf: Ein Mann für die ganz große Eröffnung

Düsseldorf : Ein Mann für die ganz große Eröffnung

Als der Anruf aus Peking kam, war Andree Verleger etwas gereizt. Es war ein Sonntagabend, Verleger sah sich die letzten Minuten des „Tatorts” an, als es klingelte und am anderen Ende der Leitung eine Frauenstimme in Englisch auf ihn einsprach.

Doch weil die Dame etwas vom Olympischen Organisationskomitee sagte, war der „Tatort” schnell Nebensache.

Der Multimedia-Künstler Andree Verleger aus Düsseldorf, 49, ist in Deutschland bislang noch ziemlich unbekannt, aber das wird sich ändern. Denn Verleger darf als einziger Deutscher einen Teil der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in China gestalten. Sieben Mal und insgesamt 60 Tage ist Verleger dafür in Peking gewesen.

Und wenn am 8.August wenigstens eine Milliarde Menschen an den Fernsehern die Eröffnungsfeier ansieht, wird Verleger nur noch beten können, dass alles gut geht.

Die Sorge mit dem Wind

Was die Zuschauer erwartet, darf er nicht verraten. Er hat sich zu strenger Geheimhaltung verpflichten müssen, er sagt: „Ich möchte China ja auch wieder verlassen dürfen.” Nur soviel: „Was wir dort mit der Masse an technischem Gerät machen, hat noch niemand auf der Welt gemacht.”

Sein Team durfte Verleger nicht aus Deutschland mitnehmen, weil die Chinesen den Anspruch haben, alles Erforderliche selbst zu bewerkstelligen. Die ersten sechs Monate seien nicht ganz einfach gewesen, sagt Verleger. Wegen seiner Gefühlsausbrüche haben ihm die chinesischen Kollegen den Spitznamen „Hyperbaby” gegeben. Eben hat die Show wichtige Tests in Peking überstanden. Auch der Wind, der ihm viel Sorgen bereitete, sei kein Problem mehr.

Warum er als relativ unbekannter Künstler nach Peking zum wohl publikumsträchtigsten Fernseh-Ereignis der Welt eingeladen wurde, ist eine komplizierte Geschichte. „Das war eine Kettenreaktion”, sagt Verleger. Es begann mit der sonderbaren Illumination eines mehrstöckigen Wohnhauses am Düsseldorfer Hauptbahnhof. Wenn es dunkel ist, sehen Passanten durch die Fenster, wie das Haus scheinbar voll Wasser läuft, Stockwerk für Stockwerk.

Von dieser Installation hat irgendwie Mark Fisher erfahren, der der Architekt großer Bühnenshows für die Rolling Stones, Pink Floyd und U2 ist und mit Star-Regisseur Zhang Yimou („Hero”) die Eröffnungszeremonie entwirft. Einen Teil davon, „einen nicht unwichtigen”, wird Verleger beisteuern. Es soll um das Finale gehen.

In Asien hat Verleger seine Bildwelten bereits mehrfach vor großem Publikum zeigen können, etwa zu den Eröffnungen der neuen Formel-1-Rennstrecke und des neuen Großflughafens in Dubai.

Verleger glaubt, er stehe für „eine internationale Bildsprache, die ohne Worte auskommt”. Bilder, bei denen Virtualität und Realität verschwimmen, bis sie nicht mehr unterschieden werden können. So treten reale Trommler auf die Bühne - und spielen auf virtuellen Trommeln, die auf Leinwände projiziert sind. Bis zu 16 Meter große Bilder kann Verleger zusammensetzen.

„Ich möchte Wahrnehmungsmuster durchbrechen”, sagt er und träumt von Licht-Projektionen in Kunstmuseen, in denen er mit seinen Beamern und Computern Werke von Andy Warhol auf die Leinwand rücken möchte - zum Beispiel.

Aber zunächst hat er am 8. August mal einen wichtigen Termin in Peking.