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Inden: Ein Leben, das vor allem an der Hoffnung hängt

Inden : Ein Leben, das vor allem an der Hoffnung hängt

Ihre Stimme klingt wie leicht erkältet. Ihre Körperhaltung ist gerade, aufrecht, ungebrochen. Cornelia Lövenich, 29 Jahre alt, wirkt ziemlich gelassen. Dabei leidet sie an einer ziemlich unangenehmen und auch aufwändigen Krankheit: Mukoviszidose.

Wenn man ihr Zimmer betritt, unter dem Dach in ihrem Elternhaus, fällt der Blick auf ein Tisch hohes, säulenförmiges Gerät, ein Sauerstoff-Basis-Tank. Dazu gehört ein kleineres, mobiles Sauerstoffgerät im City-Rucksack für unterwegs. Seit eineinhalb Jahren braucht Cornelia rund um die Uhr zusätzlich zur Atemluft Sauerstoff, der durch dünne, durchsichtige Schläuche in ihre Nase gelangt.

Die Familie hilft

Der zweite Blick des Besuchers bleibt an dem Sideboard haften, auf dem etliche Medikamentenschachteln aufgereiht sind. Ein Leben lang müssen an Cystischer Fibrose (CF, ein neuerer Name für Mukoviszidose) Erkrankte eine ganze Reihe von Medikamenten nehmen. Zwischen Aufstehen und Frühstück vergehen zwei Stunden. Der in der Nacht angesammelte Schleim muss aus der Lunge bugsiert werden mit Hilfe der so genannten „autogenen Drainage”. Das ist eine krankengymnastische Methode, Schleim zu lockern und abzuhusten. Dazu kommen gymnastische Übungen, die den Brustkorb beweglich halten.

„Auch das Essen ist Therapie”, sagt Cornelia, denn CF-Kranke brauchen besonders viele Kalorien. Dank einer Medikation durch Enzyme kann diese Energie auch in Form von Fett aufgenommen werden. Jede Mahlzeit muss dann allerdings ausgerechnet werden. „Aber darin habe ich schon Übung, das ist nicht mehr kompliziert.”

Drei bis fünf Mal pro Woche nach Aachen

„Wichtig ist, dass man nicht für die Mukoviszidose lebt, sondern mit ihr”, wünscht Cornelia auch allen anderen Betroffenen. Denn jeder Tag ist angefüllt mit Inhalieren, Übungen, Therapie. Im Augenblick hat die Kranke, die bis vor einem Jahr noch halbtags als Apotheken-Helferin gearbeitet hat, neben der eigenen Krankenpflege jeden Tag zwei Stunden für sich selbst zur Verfügung. Drei bis fünf Mal pro Woche muss Cornelia nach Aachen zur Physiotherapie. Jemand aus der Familie begleitet sie, denn es ist für sie allein zu anstrengend. Zeitweise kann der Krankheitszustand stabil bleiben. Aber eigentlich geht es nie bergauf. Die Krankheit schreitet fort. Vor kurzem hat Cornelia erfahren, dass sie durch die Schädigung der Bauchspeichelsrüse auch Diabetes hat.

Cornelia kennt Phasen der Verzweiflung. Im Winter. Wenn Infekte den Körper zusätzlich bedrohen. Wenn alles dunkel und düster erscheint. Die Hoffnung ist es, die weiter trägt. Eine riesengroße Hoffnung. Dass es medizinischen Fortschritt und neue Therapien gibt. Dass es Frühling wird und die Sonne scheint. „Hoffnung, doch wieder mehr atmen zu können.” Hoffnung, weil die Eltern, ihre zwei Brüder und viele Freunde unermüdlich für sie da sind, sie lieben und ihr helfen. Hoffnung aus dem Glauben an Gott und aus dem Engagement für andere.