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Ein König, den viele unterschätzt haben

Ein König, den viele unterschätzt haben

Eupen/Brüssel (an-o) - 1993 wurde Albert II. überraschend König der Belgier. Mittlerweile sind zehn Jahre seines Regnums vergangen. Ein jetzt im Eupener Grenzecho-Verlag erschienenes Buch zieht eine Bilanz seines bisherigen Wirkens.

"Albert II. - Erster König im föderalen Belgien" hat Christian Laporte sein Buch genannt. Der Autor gilt als profunder Kenner des belgischen Königshauses sowie des Staates und der Geschichte Belgiens. Laporte ist studierter Sozialwissenschaftler und Redaktionsmitglied der Zeitung Le Soir, für die er als Hofberichterstatter fungiert und auch über innenpolitische und gesellschaftliche Themen schreibt.

In seinem Buch zum Thronjubiläum von Albert II. zeichnet der Monarchie-Kenner mit Akribie und unter Verzicht auf oberflächliche Boulevard-Berichterstattung den Lebensweg des Prinzen zum König Albert nach. Zentrales Thema des Buches ist naturgemäß der plötzliche Herztod des damaligen Königs Baudouin I., der überraschend seinen Bruder Albert auf den Thron hievte.
Während mancher Belgier Albert II. für einen "König des Übergangs" hielt, überraschte der beim Amtsantritt bereits 59 Jahre alte Thronfolger seine Untertanen mit geschickter politischer Einflussnahme und setzte auf die monarchische Kontinuität im Königreich.

Gleichwohl ist er nach der umfassenden Verfassungsrefom - wie schon der Untertitel des Buches sagt - der erste König im föderalen Belgien. In seine Regentschaft fielen aber auch der Dioxin-Skandal und nicht zuletzt die Dutroux-Affäre.

Auch Autor Laporte, der nichts von Glanz und Glamour-Hofberichterstattung hält, kann nicht umhin, Albert II. zu bescheinigen, dass er die belgische Monarchie geöffnet und "menschlicher" gemacht hat. Nach dem eher asketischen Baudouin ließ Albert den Königssitz aufwändig umbauen, präsentierte sich als leutseliger Monarch, der auch gerne in Maßen genießt und früher leidenschaftlicher Motorradfahrer war. Das mögen die Belgier, und deshalb mögen sie ihn.

So entsteht in Christian Laportes Buch (mit umfangreicher Foto-Dokumentation) das Bild eines Monarchen, den bei Amtsantritt viele unterschätzt hatten. Inzwischen wünschen sich die meisten Belgier, dass Albert II. noch lange ihr König bleiben möge.

Christian Laporte, Albert II. - Erster König im föderalen Belgien, Grenzecho-Verlag Eupen, 18,95 Euro, ISBN-Nr.: 90-5433-186-0.