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Aachen: Ein herber Verlust für das Aachener Kulturleben

Aachen : Ein herber Verlust für das Aachener Kulturleben

Die treuen Abonnenten der Aachener Meisterkonzert-Reihe konnte das eigentlich nicht mehr überraschen: Einen Tag vor dem letzten Konzert der Saison erreichte sie ein Schreiben des Veranstalters mit der Mitteilung, dass in der Saison 2017/18 keine Meisterkonzerte mehr stattfinden.

Man werde sich aber bemühen, in 2018/19 wieder neu zu starten. Wer weiß, wie viel Vorlauf die Planung einer solchen Saison benötigt, der wird dieser Ankündigung mit der nötigen Portion Skepsis begegnen.

Das bedeutet das vorläufige Ende einer stolzen Konzertreihe, die im Jahre 1959 von dem ehemaligen Konzertpianisten Günter Weinert als privatwirtschaftliches Unternehmen ins Leben gerufen worden war, damals noch im Saal des Neuen Kurhauses, dessen Fassungsvermögen nur rund die Hälfte der Sitzplätze des heutigen Eurogress-Saales bot. Mit einer Pause von zwei Jahren von 1975 bis 1977, in denen das Spielcasino in das neue Kurhaus einzog und der Eurogress noch nicht zur Verfügung stand, lief diese Reihe über viele Jahre überaus erfolgreich.

Es gab lange Wartelisten, und Eltern vererbten ihre Abonnementskarten an ihre Kinder. Internationale Spitzenorchester mit prominenten Dirigenten und bedeutende Solisten vermittelten den Hörerinnen und Hörern den Eindruck der großen Musikwelt. Wurde zunächst von Seiten der städtischen Kultureinrichtungern eine Konkurrenz zu den städtischen Abonnementskonzerten befürchtet, so erwies sich das als grundlos. Die Meisterkonzerte waren eine hochwertige Ergänzung des Aachener Musiklebens.

Ab der Saison 1989/90 übernahm die Konzertagentur Kempf mit Wilfried Strohmeier die Reihe und setzte sie mit kleinen Akzentverschiebungen auf dem gleichen Qualitätsniveau erfolgreich fort. Wer die Auflistung der Programme mit all den Orchestern und Solisten liest, die Dirk Weinkauf, über viele Jahre zusammen mit seiner Frau Regina verantwortlich für die Betreuung der Künstler vor Ort, erstellt hat, der kommt aus dem Staunen nicht heraus. Hier hat sich die erste Garde der internationalen Musikwelt präsentiert.

In den letzten zehn Jahren ging es dann langsam bergab. Es waren immer mehr freie Stühle in den Konzerten zu sehen, die Zahl der Abonnenten nahm ab. Es gelang nicht in genügendem Maße, den langsam wegbrechenden Abonnentenstamm der älteren Generation durch jüngere Interessenten aufzufüllen. Schließlich wurde die Situation so dramatisch, dass Strohmeyer vor drei Jahren die Reißleine zog. Die wirtschaftlichen Verluste waren für einen freien Unternehmer, der ohne Subventionen auskommen musste, nicht mehr verkraftbar.

Schien damals schon das Ende der Reihe gekommen, so sprangen zwei Konzertagenturen ein, die das sinkende Schiff wieder flott machen wollten. Das schien zunächst auch gut anzulaufen. Die beiden ersten Spielzeiten unter neuer Regie brachten einen leichten Aufschwung. Spätestens jedoch mit der Vorstellung des überaus dürftigen Spielplans der letzten Saison zeichnete sich das Ende ab.

So endet wahrscheinlich eine 58 Jahre währende Ära. Das ist ein herber Verlust für das Aachener Kulturleben.