Alsdorf: Ein Heimspiel auf dem roten Teppich

Alsdorf: Ein Heimspiel auf dem roten Teppich

„Und wer sind Sie?” Die Begeisterung am roten Teppich des Alsdorfer Cinetower geriet schon beim dritten Hauptdarsteller Max von Pufendorf ins Stocken. Zwei, drei Dutzend Menschen warteten Sonntagabend mit Autogrammkarten ausgestattet draußen auf Nora Tschirner, während sich in den beiden größten Sälen über 800 Menschen auf die NRW-Premiere des Roadmovie „Offroad” freuten.

Wegen des Stars Tschirner selbstverständlich, aber auch weil sich ein kompletter Schützenverein samt Anhang selbst auf der Leinwand sehen wollte. Der begrüßte dann auch lauthals den „größten Geilenkirchener” Elmar Fischer, den Regisseur dieser Komödie um ein graues Mäuschen (Tschirner), das mit einem Jeep voller Koks ins große Abenteuer aufbricht.

Auch wenn das kinolose Geilenkirchen, wo unter großer Aufregung Teile des Films gedreht wurden, ein paar Kilometer weg liegt, geriet die Premiere zum Heimspiel-Film.

Eine derartige NRW-Premiere stellte auch für Alsdorf ein Novum dar, denn solch glanzvolle Veranstaltungen von NRW-geförderten Filmen finden ansonsten in Köln oder in der renommierten Essener Lichtburg statt. Nun kam in Alsdorf an, was als Strukturwandel seit Jahrzehnten für das ganze Land galt: Film- statt Kohleförderung!

Dabei war es kurioserweise schon die zweite Premiere in einer Woche für die Familie Stürtz, die den Cinetower leitet. Allerdings hing man den grobhumorigen „New Kids Nitro” mit seinen Unterschichten-Holländerhelden deutlich niedriger als die Mainstream-Komödie „Offroad” mit Autorenkino-Hintergrund. So überraschte der runde Verlauf der Veranstaltung nicht besonders, nur der Münchener Verleiher Paramount glaubte selbst nicht an derartig heftigen Zustrom, und beide Sälen waren deshalb böse überbucht, einige Zuschauer sollten draußen bleiben.

Drinnen jedoch gab der Film Gas und Tschirners Meike sich beim Schützenfest die Kante. Als sie nach rund 20 Minuten mit dem laut belachten Spruch „Tschüss, du Scheißkaff” ihre filmischen Heimatstadt Geilenkirchen verließ, gab es einen der besten Lacher, man nahm sich also nicht so ganz wichtig. Der Entschuldigung im Abspann, der sich übrigens auch bei der Unterstützung durch diese Zeitung bedankte, bedurfte es nicht mehr.

Danach war allerdings die Luft etwas raus. Selbst die große romantische Liebesnacht zwischen Meike und ihrem Mitfahrer Salim (Elyas MBarek aus „Türkisch für Anfänger”) konnte jetzt gefahrlos zum „Bierwegbringen” genutzt werden. Denn wichtiger als die Frage ob „Offroad” ein guter Film sei, war die nachher gehörte Versicherung „Hast du mich eigentlich im Film gesehen!?!”

Nora Tschirner stimmte derweil auf der Bühne burschikos und kumpelhaft in die gute Stimmung des „Offroad”-Heimspiels ein und schrieb auch noch weit in die Nachspielzeit namens Filmparty fleißig Autogramme. Jeder erkannte den einzigen echten Filmstar des Abends direkt: Ihr Kleid war unübersehbar breit schwarzweiß gestreift wie die Barken vor Bahnübergängen zu Stummfilmzeiten.

Der Dank auf der Bühne nach dem Film des Münchener Erfolgs-Produzenten Jakob Claussen („23”, „Crazy”, „Krabat” und die ältere Aachener Produktion „Die Österreichische Methode”) ging zuerst an alle Geilenkirchener, die den Film großartig unterstützt haben. Dann versprach Claussen, „wenn der Film funktioniert, dann kommen wir für den zweiten Teil wieder.”

Elmar Fischer moderierte souverän, bevor er in Verwandten und Bekannten unterging. Nora Tschirner zeigte sich live ein Stück witziger als ihre Rolle.

Es blieben die Fragen, weshalb nach der Aachener „Diamantenhochzeit” wieder eine Komödie der Region mit viel Auto und kriminellem Gut daherkommt. Und weshalb der Abend nicht als ein gelungenes Heimspiel statt als „NRW-Premiere” firmierte. Denn „Offroad” lief schon an den Tagen vorher in Oberhausen, Duisburg, Düsseldorf, Mönchengladbach, Neuwied und Bonn.

So bleibt als Wermutstropfen im Premieren-Sekt, dass die Kino-Familie Stürtz und ihr toller Cinetower auch mal eine echt glamouröse Veranstaltung mit vollem Starangebot verdient hätten.

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