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Aachen: Ein guter Grund sich gesund zu laufen

Aachen : Ein guter Grund sich gesund zu laufen

Die Schritte sind kaum zu hören, manchmal wird ein Stück Holz hoch geschleudert, das jenseits des schmalen Begrenzungssteins der Laufbahn liegen bleibt. Den Läufer stört das nicht, er läuft weiter, Schritt für Schritt, Meter um Meter, Runde um Runde - auf der Finnbahn des Aachener Hochschulsportzentrums (HSZ). Viele tun das.

Manche für sich allein, andere in Gruppen. Die Finnbahn wird seit ihrer Eröffnung im November rege genutzt. Aus gutem Grund...

Die spezielle Bahn nämlich zeichnet sich durch einen besonderen Holzschnitzelbelag aus, der sehr gelenkschonend sein soll, verspricht Heike Nitsche, wissenschaftliche Mitarbeiterin des HSZ. Dies bestätigt Dr. Nils Graf Stenbock-Fermor. Der Aachener Orthopäde lobt die Laufbahn, die ihre Vorbilder in nordischen Ländern hat: „Sie ist gut, besser als eine Rotkiesbahn. Sie ist beleuchtet, es gibt keine Pfützen und sie hat eine vernünftige Stoßdämpfung.”

Wichtiger als der Belag seien allerdings noch das Schuhwerk und die Lauftechnik, bewertet der Sportmediziner. Daher zähle beim Kauf der Sportschuhe die Beratung, erklärt Stenbock-Fermor. Wer den richtigen Schuh gefunden hat, der sollte beim Laufen nicht zu große Schritte machen, empfiehlt der Mediziner weiter. Wer nicht sicher ist, ob er einen vernünftigen Laufstil pflegt, dem empfiehlt Stenbock-Fermor einen Trick: „Einfach während des Laufens die Hand auf den Kopf legen. Wenn die nicht ruhig auf dem Kopf liegen bleibt, macht man etwas falsch.”

Wer diese Hinweise nicht beachtet, dem wird Laufen auf Dauer keinen Spaß machen. Der riskiert nämlich Gelenkschäden, wie das Schienbeinvorderkantensyndrom, eine Entzündung der Knochenhaut vor den Schienbeinen. Doch auch Achillessehnenbeschwerden, Knie- und Hüftschäden können die Folge sein. Die Finnbahn helfe, solchen Schäden vorzubeugen, sagt Dr. Stenbock-Fermor. „Sie verzeiht technische Fehler” und sei ein gutes Angebot für die riesige Zahl ungeübter Läufer und Halbprofis in Aachen und Umgebung.

Die Finnbahn ist nämlich nicht nur Studenten und Angestellten der Hochschulen vorbehalten, obwohl die Sportanlage dem HSZ gehört. „Sie steht allen Bürgern zur Verfügung”, sagt Heike Nitsche. Einige Bürger machen davon seit November auch schon Gebrauch. „Die meisten Nutzer sind aber noch Studenten.”

So wie Christoph Holbach und Matthias Zimmer, die die Vorzüge der Finnbahn schnell schätzen gelernt haben. Beide sind keine Laufprofis und wollten die Bahn einfach mal ausprobieren. „Es ist praktisch, weil die Umkleidekabinen in der Nähe sind”, nennt Christoph Holbach einen Grund für seine Entscheidung. Doch der 24-Jährige hat auch gemerkt, dass das Laufen auf der Bahn irgendwie anders ist. „Ich bin jetzt fünf Runden auf der Finnbahn gelaufen und die letzten Meter auf der Aschenbahn ausgelaufen - das war wie auf Beton.”

Gelenkschonend auf dem Laufband im Fitnessstudio zu trainieren, das ist nicht nach dem Geschmack von Matthias Zimmer. „Das würde mir keinen Spaß machen, hier ist man wenigstens an der frischen Luft”, meint der 23-Jährige, der sich eigentlich als Sportmuffel bezeichnet, jetzt aber weiter trainieren will.

Rike Wissow ist sicher alles andere als ein Sportmuffel. Seit sieben Jahren betreibt die 19-Jährige Leichtathletik und sie trainiert ganz bewusst nicht immer auf der Finnbahn sondern auf der Aschenbahn im Stadion Königshügel. „Auf der Aschenbahn kann ich einfach schneller laufen, weil ich mehr Bodenkontakt habe”, erklärt sie. Dennoch hält sie die Finnbahn für eine gute Sportanlage.

„Man kann sich gut darauf einlaufen. Am besten wäre eine Tartanbahn und eine Finnbahn”, meint die Medizinstudentin. Und da es diesen Luxus leider nicht gebe, läuft sie nun abwechselnd auf der Aschen- und der Finnbahn. Auf der Aschenbahn macht sie Tempo, auf der Finnbahn läuft sie sich warm, Schritt für Schritt, Meter um Meter, Runde um Runde.