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Heinsberg: Ein Borussen-Heimspiel im Heinsberger Begas Haus

Heinsberg : Ein Borussen-Heimspiel im Heinsberger Begas Haus

Markus Bullik ist Fotograf und ein bisschen Philosoph. Wahrscheinlich lassen sich diese beiden Professionen auch gar nicht trennen. Der Blick durch die Linse schult zwangsläufig auch den Geist. Bullik ordnet das, was er sieht, in seine Sicht der Welt ein. „Ein Ethnologe beim Stamme Fußball“ hat er seine Fotoserie untertitelt, die er derzeit im Museum Begas Haus in Heinsberg zeigt. Der Titel lautet „Heimspiel — Menschen bei Borussia“.

1000 Bilder hat der Wegberger Bullik seit dem Beginn seines Borussia-Projektes aufgenommen. 51 ausgewählte Arbeiten bieten in Heinsberg einen Einblick in die Langzeitstudie der Menschen beim Sportverein Borussia Mönchengladbach. Bullik hat Menschen porträtiert, die eines gemeinsam haben: Die Liebe zu ihrem Verein.

„Heimspiel — Menschen bei Borussia“: Der Fotograf Markus Bullik (links) bringt die Gladbach-Fans ins Museum, darunter Hans-Willi Boox, einer der bekanntesten Borussen-Fans (rechts oben). Die Ausstellung wurde gestern im Museum Begas Haus in Heinsberg eröffnet. Foto: Dettmar Fischer

„Wir tragen doch alle ein Herz in der Brust“, sagte Bullik am Sonntag bei der Vernissage. Und da er eben auch ein Philosoph sei, wolle er mit seinen Fotografien zeigen, dass diese Herzen gemeinsam schlagen, in der Brust der Präsidenten genauso wie in der Brust der Flaschensammler, die, großes Lob Bulliks an den Verein, im Stadion ihrem Handwerk nachgehen dürfen.

„Heimspiel — Menschen bei Borussia“: Der Fotograf Markus Bullik (links) bringt die Gladbach-Fans ins Museum, darunter Hans-Willi Boox, einer der bekanntesten Borussen-Fans (rechts oben). Die Ausstellung wurde gestern im Museum Begas Haus in Heinsberg eröffnet. Foto: Dettmar Fischer

„Heimspiel — Menschen bei Borussia“ ist ein freies Projekt des Fotografen, das ab 2016 über drei Spielzeiten lief und auch in einem Buch mündete. Bulliks Bilder sind in schwarz-weiß gehalten. Es sind keine Schnappschüsse. Jeder Abgebildete musste schließlich vor der Aufnahme um Erlaubnis gebeten werden. Dennoch ist es Markus Bullik gelungen, in seinen Porträts etwas vom Wesen der Menschen festzuhalten, das über das Dokumentarische hinausgeht.

Schon der Fotograf August Sander (1876-1964), auf den Bullik als Vorgänger dieser Art zu fotografieren verweist, hatte in seinem epochalen Werk „Menschen des 20. Jahrhunderts“, den Menschen als Teil einer Gruppe in seiner sachlich-konzeptuellen Dokumentarfotografie portraitiert. Neben aller Sachlichkeit, so Bullik, gebe es aber auch in den Bildern August Sanders diese „Wesenschau“, die bis heute Sanders Fotografien Bedeutung verleihen.

„Ich wollte bei dieser Masse von Menschen in einem Stadion, wo jeder die elf Spieler auf dem Platz kennt, gucken, wer die anderen sind“, sagt Bullik. Und: „Grundsätzlich bin ich kein Freund von Hierarchien. Der Stürmerstar ist genau so wichtig, wie die Klofrau, der Präsident Rolf Königs oder der Bettler. Das Verbindende ist der Verein.“ Er habe bei seiner Arbeit eine sehr große, gemeinsame Identifikation und bei vielen Menschen auch Stolz auf die Borussia erlebt. „Die Menschen sind mir in ihrer Scheuheit oder in ihrer Extrovertiertheit begegnet“, sagt Markus Bullik.

70 Berufsgruppen, zu denen Bullik sicherlich auch die Flaschensammler zählen würde, arbeiten für den Verein Borussia Mönchengladbach. Hinzu kommen die Fans wie Hans-Willi Boox, der zur Ausstellungseröffnung nach Heinsberg kam. „Ich bin einer der bekanntesten Fans“, sagte Boox und ließ sich bereitwillig neben seinem Bullik-Portrait porträtieren. „Das mit der Borussia, das ist schon was ganz Besonderes“, sagte er.

Den vielen Menschen, die an diesem „Besonderen“ mitwirken, hat Bullik, der als Werbe- und Reportagefotograf in der ganzen Welt unterwegs war, in seinen Bildern ein Denkmal gesetzt — ohne selbst Fan von Borussia Mönchengladbach zu sein. „Das hat auch etwas mit Empathie zu tun“, sagt Bullik und eben mit der Tradition, die ein August Sander auf den Weg brachte.