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Ein aufregender Bau über heißer Erde

Ein aufregender Bau über heißer Erde

Aachen (an-o) - Interessierte Kreise, allen voran Rektor Burkhard Rauhut, unternehmen alles Mögliche, um Spender für das geplante Servicecenter der RWTH zu erwärmen. Das architektonisch aufregend gestylte "Super C" selbst soll von der Erde gewärmt werden.

Ob das 20 Meter hohe Wahrzeichen wirklich einmal gebaut wird, ist ungewiss. Die 2500 Meter Tiefbau darunter wird es auf jeden Fall geben. Zwischen Juli und September nächsten Jahres wird rund um die Uhr, sieben Tage die Woche gebohrt - bis man, wenn alles klappt, nach zweieinhalb Monaten da angekommen ist, wo die Erde 85 Grad heiß ist. Mit dieser Erdwärme soll das Servicecenter der TH geheizt und mit Warmwasser versorgt werden. Ein Heizkraftwerk mit einer thermischen Leistung von 480 Kilowatt, das im Sommer die Erdwärme "umdrehen" und zur Kühlung nutzen kann (siehe "Wissenschafts"-Ecke).

Erstmals Energie für Großgebäude

Während es inzwischen eine Reihe von Versuchen gibt, Erdwärme für die Heizung von Häusern zu nutzen, soll das Super-C-Projekt das erste in Europa sein, das Geothermie unmittelbar zur Versorgung eines Großgebäudes nutzt. So gilt das Vorhaben auch als europäisches Modellprojekt, bei dem ebenfalls erstmalig "gesicherte technische Erfahrungen und Betriebsdaten gewonnen" werden sollen. Untersucht werden zum Beispiel die Wirtschaftlichkeit von Erdwärme im Vergleich zu anderen Energieträgern, die Wirkungen auf die Kohlendioxid-Bilanz, die Effizienz solcher tiefen Sonden oder auch die Problematik von Tiefbohrungen in Ballungsgebieten. Die EU trägt daher den größten Teil der Kosten für die Bohrung von zwei Millionen Euro. Die komplette Wärmeverteilung über der Erde, die Heizung also, wird weitere drei Millionen Euro kosten.

Die Geologen bohren

Beteiligt ist aber auch das Land NRW, dessen Geologischer Dienst in enger Zusammenarbeit mit den RWTH-Instituten des Bergbaus und der Geowissenschaften in der vergangenen Woche eine geologische Erkundungsbohrung niederbrachte, um die bisher wenig bekannten Strukturen des Untergrunds im Aachener Norden und der Eifel zu erforschen und zu kartieren. Ein nicht unwichtiges Problem für das Geothermie-Projekt konnte mit dieser knapp 70 Meter tiefen Bohrung ausgeräumt werden: Eine Grundwasserader ist dem Vorhaben nicht im Wege. Im Übrigen förderte man zutage, was unterhalb der Erdoberfläche an dieser Stelle zu erwarten war. Ganz oben alter Bauaushub, dann Löss (bis sechs Meter), Sand mit kreidezeitlichen Feuersteinen und Mergel (bis 15 Meter), darunter "Hergenrather Ton", Verwitterungston aus dem Karbon, Sandstein (ab 60 Meter); schließlich stoppte harter quarzitischer Feinsandstein fürs erste den Bohrfortschritt.

Aushub in Gläsern

RWTH-Rektor Burkhard Rauhut hat angesichts der zur Zeit eher dahintröpfelnden Spenden für das Super C-Projekt ("die Hälfte des Eigenanteils von neun Millionen Euro haben wir aber zusammen") schon die nächste, vielleicht einträglichere Werbeidee: Den Aushub der eigentlichen Bohrung im nächsten Jahr ("so ab 1000 Meter") in Gläsern zu verkaufen. Reicht das alles nicht zur Finanzierung, müsste Rauhut irgendwann eine Idee verkaufen, was man mit dem schönen, warmen und hochsubventionierten Bohrloch macht. Dann käme vielleicht das altehrwürdige Hauptgebäude in den Genuss einer zukunftsträchtigen Heizung.