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Arlon: Dutroux wartet auf ein Urteil der Jury

Arlon : Dutroux wartet auf ein Urteil der Jury

Die Spannung im Prozess gegen den belgischen Kinderschänder Marc Dutroux steigt weiter. Auch am dritten Tag ihrer Beratungen verkündeten die zwölf Geschworenen am Mittwoch keinen Schuldspruch zur Entführung von sechs Mädchen, von denen vier qualvoll starben.

Damit dauert die Beratung der Laienrichter bereits deutlich länger als belgische Justizexperten erwartet hatten. Gründe hierfür wurden nicht bekannt. Die acht Frauen und vier Männer bleiben bis zum Urteil streng abgeschottet.

Dutroux hat die Beteiligung an vier Entführungen Mitte der 90er Jahre zugegeben. Er bestreitet aber, den grausamen Tod der vier gestorbenen Opfer verursacht zu haben. Die Anklage, die wesentlich auf den Aussagen seiner Ex-Frau Michelle Martin beruht, wirft ihm die Tötung zweier Mädchen und eines Komplizen vor.

Reformen reichen nicht aus

Nach Ansicht des Brüsseler Rechtsexperten Pierre Chomé könnte es in Belgien trotz Reformen bei Polizei und Justiz jederzeit einen weiteren Skandal wie die Dutroux-Affäre geben. „Was man gemacht hat, kann nicht verhindern, dass es eine neue Dutroux-Affäre geben könnte”, sagte Chomé in einem dpa-Gespräch. Der Strafrechtsexperte der Freien Universität Brüssel sagte weiter, die Reformen hätten nicht das gewünschte Ergebnis gebracht.

Nach dem Dutroux-Skandal sei zwar die Gendarmerie, die vorher der Armee unterstand und als ein „Staat im Staate” galt, in die neu geschaffene Bundespolizei eingegliedert worden. Die neue Polizei funktioniere aber noch nicht richtig, sagte Chomé. „Die Mittel sind nicht auf der Höhe der Zeit.” Die schon vor dem Fall Dutroux eingeleitete Justizreform habe zwar die Rechte der Opfer gestärkt, sei aber nie wirklich zum Ziel gekommen.

„Belgien wäre viel glücklicher gewesen, wenn man einen Notar, einen Arzt, einen Rechtsanwalt und einen Richter gefunden hätte, wenn man mehrere Leute im Gefängnis hätte”, meinte Chomé. Stattdessen gebe es unfähige Polizeibeamte, die bei Durchsuchungen Kinderstimmen nicht gehört hätten. „Das ist viel schlimmer, sich selbst sagen zu müssen, dass man in Innern krank ist, dass die Institutionen nicht richtig funktionieren”, sagte der Jurist.