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Brüssel: „Dutroux sucht die Schwächen der Anklage”

Brüssel : „Dutroux sucht die Schwächen der Anklage”

Ein früherer Anwalt des belgischen Kinderschänders Marc Dutroux hat seinem Ex-Mandanten eine Strategie der Ausflüchte vorgeworfen.

„Seit sieben Jahren tastet er die Untersuchungsakte Tag für Tag auf schwache Punkte in der Beweisführung ab”, sagte der Brüsseler Rechtsanwalt Daniel Kahn in der Zeitung „De Morgen” vom Montag.

So habe Dutroux sein Geständnis zum Mord an seinem Kumpanen Bernard Weinstein nach ungenauen Zeugenaussagen über die Tatzeit zurückgezogen. „Für so einen Klienten kann ich nichts tun”, sagte Kahn, der sein Mandat zur Verteidigung Dutroux im vergangenen Sommer nach gut einem halben Jahr niedergelegt hatte.

Seit sieben Jahren behaupte der Angeklagte zudem, die beiden Entführungsopfer Julie und Mélissa seien ihm vor ihrem qualvollen Tod in einem seiner Häuser „gebracht” worden. Von wem und unter welchen Umständen habe er jedoch nie gesagt: „Wenn man Dutroux danach fragt, wechselt er das Thema”, sagte Kahn der Zeitung. „Er geht mit nur einem Ziel in seinen Prozess: So viele Zweifel wie möglich weiter bestehen zu lassen, um dann anschließend jammern zu können über einen unehrlichen Prozess und eine Verurteilung ohne echte Beweise. Daran wollte ich mich nicht mitschuldig machen”, erklärte der Anwalt.

Prozess im März

Der Prozess gegen Dutroux und drei Mitangeklagte wegen der Entführung von sechs Mädchen soll Anfang März beginnen. Die Entdeckung von vier Mädchenleichen und zwei Überlebenden im Keller eines Dutroux-Hauses hatte im Sommer 1996 internationales Aufsehen erregt und in Belgien eine Debatte über das Funktionieren von Polizei und Justiz ausgelöst. Dutroux ist wegen früherer Taten bereits rechtskräftig wegen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger verurteilt.