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Köln: Durchbruch für Jüdisches Museum, 11 Millionen Euro für Bau

Köln : Durchbruch für Jüdisches Museum, 11 Millionen Euro für Bau

Der Beschluss des Kölner Stadtrats für den Bau eines Jüdischen Museums bedeutet nach Ansicht des privaten Trägervereins einen Durchbruch für das Projekt.

Die Gesellschaft zur Förderung eines Hauses und Museums der jüdischen Kultur reagierte am Freitag „mit großer Zufriedenheit” auf das Votum des Rats.

Damit gebe es endlich Planungssicherheit, und die Stadt könne künftig mit einem „einzigartigen Pfund wuchern”, sagte der Vorsitzende Benedikt Graf von und zu Hoensbroech am Freitag.

Für den Bau würden zehn bis elf Millionen Euro veranschlagt. Das Haus werde sich als wahrer Publikumsmagnet erweisen.

Der Kölner Stadtrat hatte am Donnerstagabend grünes Licht für den Bau des Museums auf dem Rathausplatz gegeben. SPD, FDP, Grüne und Linke votierten für den Siegerentwurf eines Architektenwettbewerbs.

Das Vorhaben ist aber umstritten, viele Kölner Bürger sind gegen eine Bebauung des zentralen Platzes in der Altstadt. Graf von Hoensbroech betonte: „Wir bauen das Haus auf einer 2000 Jahre alten jüdischen Geschichte auf, das ist europaweit einzigartig und gibt uns eine Sonderstellung.”

Der Stadtrat ging mit seinem Beschluss deutlich über das hinaus, was sich Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) vorgestellt hatte. Dieser riet dazu, sich zunächst auf die Verwirklichung einer unterirdischen Archäologischen Zone - ebenfalls auf dem Rathausplatz - zu konzentrieren.

„Ich hätte lieber eine klare Trennung gehabt”, hatte Schramma nach dem Votum gesagt. „Wir beschließen über etwas, bei dem es überhaupt noch keinen Hinweis auf eine Finanzierung gibt.” Es sei zu befürchten, dass die Finanzierung noch lange auf sich warten lasse.

Dagegen sagte Graf von Hoensbroech, es sei kein Problem, das Geld zusammenzubekommen. Es gebe auch diverse Großsponsoren, die schon mehrfach Interesse bekundet hätten.

Die Gesellschaft habe in der Vergangenheit bereits binnen einer Woche eine Million Euro eingesammelt, dann aber wegen der schwebenden politischen Debatte zunächst das Spendenwerben eingestellt.

In früheren Berichten war von geschätzten 15 Millionen Euro Kosten die Rede. Den neueren Planungen zufolge wird das Haus aber preiswerter werden, sagte der Vorsitzende.

Nach ersten Einschätzungen ist Graf von Hoensbroech zufolge der frühstmögliche Baubeginn in anderthalb Jahren. Als Bauzeit würden weitere 18 Monate kalkuliert. Diese zeitlichen Planungen seien aber noch sehr vage.

Der vom Stadtrat genehmigte Entwurf sieht vor, dass die Archäologische Zone mit Resten einer mittelalterlichen Synagoge in den Keller des Museums integriert wird.

Das Geld für diese Zone soll von der Stadt und vom Land kommen. Laut Ratsbeschluss soll eine mehrstöckige Schutzhülle für die Archäologische Zone errichtet werden. Das Jüdische Museum soll später in diese Schutzhülle hineingebaut werden.

Im Mittelalter hatte sich in diesem Teil der Altstadt das Kölner Judenviertel befunden. Die Kölner Synagogengemeinde gilt als die älteste nördlich der Alpen.