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Aachen: Duncan Macmillans Komödie „Atmen“ feiert Premiere im Mörgens Theater

Aachen : Duncan Macmillans Komödie „Atmen“ feiert Premiere im Mörgens Theater

„Wir sind gute Menschen!“ Anderthalb Stunden lang bewegen Frau und Mann zwei Stepper und laden damit eine Batterie — zu erkennen an einem überdimensionalen Batteriesymbol an der Rückwand. Sinnbildlich laufen sie ihr ganzes Leben, um am Ende einen Song abspielen zu können.

Neben großer Heiterkeit waberte bei der Premiere von Duncan Macmillans Komödie „Atmen“ am Donnerstagabend auch eine gehörige Portion Zynismus durch das Mörgens.

„Ein Kind?!“ Sein lautes Denken — ausgerechnet beim Einkaufsbummel durch ein großes schwedisches Möbelhaus — schreckt sie (Shari Asha Crosson) erst einmal auf. Kann man das überhaupt machen angesichts des Zustands der Welt mit Klimawandel, Überbevölkerung und Raubbau? Müssen wir das nicht machen, weil genau dieses Kind der- oder diejenige sein könnte, der oder die am Ende die Lösung für alle massiven Weltprobleme findet?

Mit diesen vermeintlich globalen Denkansätzen angesichts einer ganz persönlichen Entscheidung geht es auf eine — durchaus auch den Zuschauer selbst — entlarvende Reise durch das Leben von ihr und ihm (Hannes Schumacher). Sie entscheiden sich für ein Kind, sie verlieren es, sie trennen sich, sie zeugen in einer denkbar weniger gesellschaftlich akzeptierten Situation ein weiteres Kind, sie ziehen es gemeinsam groß…

Hinter jedem vermeintlich altruistischem Argument steckt indes diese Frage: Will ich das überhaupt? Fühle ich mich dem gewachsen? Was wird das mit mir und mit uns machen? „Wir sind gute Menschen“, müssen sich Frau und Mann daher immer wieder gegenseitig versichern.

Die Inszenierung von Stefan Herrmann legt dabei vor allem ein rasantes Sprechtempo vor, während sich das körperliche Spiel von Crosson und Schumacher fast ganz aufs Bewegen des Steppers reduziert — egal, ob beide gerade Sex haben oder sie ein Kind zur Welt bringt. Diese radikal reduzierte Aktionsmöglichkeit (Bühne: Sandra Linde) nutzen Crosson und Schumacher für eine ungleich intensivere Interaktion miteinander, die sogar fast ganz ohne Berührungen auskommt. Sie starten so unweigerlich das Kopfkino beim Premierenpublikum. Besonders intensiv gelingt ihnen der Moment der Sprach- und Hilflosigkeit nach der Fehlgeburt.

Eine Komödie, die wunderbar geeignet ist zum selbstreflektierten Schmunzeln, zynischen Grinsen und ernsthaften Nachdenken.

Weitere Aufführungen im Mörgens Theater Aachen (Mörgensstraße 4) am 28. September, 5., 15. und 29. Oktober. Vorstellungstermine darüber hinaus werden später bekannt gegeben.