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Aachen: Dumpfe Klopfzeichen: „Die Nacht des Leguan” im Theater K

Aachen : Dumpfe Klopfzeichen: „Die Nacht des Leguan” im Theater K

Tropischer Sonnenuntergang und gleichzeitig Mondlandschaft, bunte Korblämpchen auf Bodega-Tischen und das Publikum mitten drin im Geschehen: Wie auf einem Cat-Walk lässt Regisseur Wolfgang Franßen die Protagonisten ihren Kampf gegen sich selbst austragen.

Der unter der Veranda des maroden Hotels angebundene Leguan vertieft den Eindruck von dumpfer Knechtschaft. Doch die Unfreiheit der hier gestrandeten, in sich verstrickten Menschen hat andere Gründe.

Saftiges Fleisch. Franßen hat dem melodramatischen Stoff den Hollywood-Glamour ausgetrieben und aus Williams Seelen-Sektion ein so amüsantes wie tief schürfendes Theatererlebnis gemacht.

Und das 1961 entstandene und im zweiten Weltkrieg spielende Drama auf eine abstrakte Zeitebene gehoben, was zuweilen für Verwirrung sorgt. Imponierend Martin Päthel als entlassener Priester Shannon.

Die ganze Zwiespältigkeit dieses Mannes tut sich hier erschreckend auf. Gibt es Hoffnung für ihn oder nur Klopfzeichen im Dunkel? Ist er wirklich der schnöde Mädchenverführer?

Höchst präsent und sensibel verkörpert die blutjunge Mandy Mansouri das Mädchen, das den Expriester zu lieben glaubt. Tennessee Williams Sprache zwischen Poesie und Drastik gibt den komplizierten Figuren jenes saftige Fleisch, das bis heute seine Stücke ausmacht.

Wunderbar lasziv-herausfordernd und ebenso nüchtern präsentiert sich Mona Creutzer als nicht mehr ganz junge Wirtin Maxine.

Ein ganz besonderes Duo sind die Malerin Hannah und der greise Dichter Nonno, die sich fast wie Bettler durchschlagen müssen.

Mit subtiler Komik und sogar noch anrührend als „dirty old man” spielt Anton Schieffer den Alten, mit Krücken und Tropenanzug an den Schriftsteller Somerset Maugham erinnernd. Ebenso faszinierend Eva Weißenböck als Hannah.

Das erbarmungslos heitere Nazi-Pärchen (Annette Schmidt und Christian Cadenbach) wirkt hier eher deplatziert. Viel Applaus.