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Aachen: Drogen: Die Fahndungs-Lorbeeren blieben in Istanbul

Aachen : Drogen: Die Fahndungs-Lorbeeren blieben in Istanbul

Wie denn alles so begann, wollte Richter Harald Brandt von dem Drogenfahnder der Aachener Polizei wissen.

Der Vorsitzende der 8. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht, das wurde am Montag klar, wird bei den künftigen Verhandlungstagen - zehn insgesamt sind angesetzt - eine Menge sogenannter TÜ, das sind Mitschnitte von Telefonüberwachungen, anhören müssen.

Viele der polizeilichen Hinweise und der daraus gezogenen Schlüsse sind auf diesen Mitschnitten zu finden. Sie führten schließlich im Februar 2007 zu dem Aufsehen erregenden Drogenfund von 227 Kilo Heroins von „guter Qualität”, wie man gestern den vier Angeklagten mutmaßlichen Drogenhändlern aus Aachen, Halle und Frechen attestierte.

Momentan ruhen die TÜ friedlich auf dem Computer-Server der Aachener Polizei, der zurzeit defekt sei, wie es vor Gericht hieß. „Warum hat man von Istanbul nicht den Lkw fahren lassen und die Leute hier festgenommen”, wollte Richter Brandt wissen. Schulterzucken beim 43-jährigen Aachener Fahnder, der damals in der Türkei mit dabei war.

Der Richter vermutete lächelnd, dass die Kollegen dort am Bosporus sich wohl selbst „die Lorbeeren an den Hut stecken” wollten.

Der 42-jährige Hauptangeklagte Cemal G., der mit seinem jüngeren Bruder als das Handelszentrum der Amsterdam/Bosporus-Connection gilt, fiel erstmals auf, als Ende 2004 polizeiliche Erkenntnisse aus Lübeck „auf einen Dicken in Aachen” (Polizeijargon) hinwiesen. Dann sei der mit 83.000 Euro, wahrscheinlich Geld zum Ankauf von Drogen, in Amsterdam „aufgefallen”, berichtete der Ermittler.

Die spätere lukrative Verbindung Halle an der Saale, von dort stammt ein weiterer mutmaßlicher Großdealer auf der Anklagebank, ergab sich, als dort Ende 2004 ein Handel mit 16 Kilogramm aufflog - auf den Verpackungen wurden die Fingerabdrücke des scheinbar völlig unvorsichtigen „Dicken aus Aachen” gefunden.

2005 flog ein großer Transport von 60 Kilogramm Haschisch, zehn Kilo Amphetaminen und sogenannten Streckmitteln auf. Der Kurier von Aachen nach Halle wurde in seinem Opel Omega gestellt. Das schürte die Neugier der Polizei, verdeckte Ermittler des Landeskriminalamtes schalteten sich ein, darunter ein Fahnder mit Namen „Dieter”, und forschten in Halle und Köln beziehungsweise Frechen nach, wo der vierte Angeklagte, offiziell ein Immobilienmakler, ansässig ist.

Um die Aussagen der verdeckten Ermittler entbrannte bereits zu Beginn ein heftiger Juristen-Disput. Die Anwälte wollen alle ausländischen Ermittler, zum Teil kommen sie von der belgischen Polizei, im Zeugenstand sehen. Das alles dürfte zu erbitterten Juristen-Grabenkämpfen führen. Das Verfahren wird Mittwoch fortgesetzt.