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Aachen: „Dritte Seite” kann toller Türöffner sein

Aachen : „Dritte Seite” kann toller Türöffner sein

Er ist Buchautor und Leiter des bundesweit operierenden „Büro für Berufsstrategie”. Mit Jürgen Hesse unterhielt sich unsere Mitarbeiterin Silja Ukena über Stolpersteine und Chancen in der schriftlichen Bewerbung.

Herr Hesse, welche sind die häufigsten Fehlerquellen bei schriftlichen Bewerbungen?

Angefangen vom schlechten Foto, über die vergessene oder unvollständige Unterschrift unter dem Lebenslauf und Flüchtigkeitsfehlern in der Rechtschreibung, ist eigentlich alles dabei. Allein mit ein bisschen mehr Sorgfalt kann man sich schon von der großen Menge durchschnittlicher Bewerbungsunterlagen gut abheben.

Und wie geht man dabei am besten vor?

Ganz wichtig ist es, vorher viel darüber zu lesen und sich ein Konzept von dem zu machen, welches Bild man von sich vermitteln will. Und man sollte sich die Zeit nehmen, ein bisschen probieren, damit sich der Empfänger letztendlich gerne mit der Bewerbung beschäftigt und - im idealen Falle - fest liest. Es lohnt sich Zeit zu investieren und ist erfolgreicher, als hundert schlechte Bewerbungsunterlagen zu verschicken. Schließlich gilt noch immer: Qualität kommt vor Quantität!

Welcher Teil der schriftlichen Bewerbung wird allgemein am meisten unterschätzt? Wo lauern also ungeahnte Fehlerquellen?

Es geht ja darum, mit der schriftlichen Bewerbung auf sich neugierig zu machen, um eine Einladung zu bekommen. Die Unterlagen erobern keinen Arbeitsplatz, aber wenn man nicht eingeladen wird, hat man so gut wie keine Chancen. Am häufigsten wird unterschätzt, dass es darum geht, die eigene Persönlichkeit in Zusammenhang mit der Leistungsmotivation und einer ausreichenden Kompetenz zu vermitteln. Insofern sind das Foto, die Angaben zu Hobbys, Interessen und Engagements der am meisten unterschätzte Weichensteller.

Wie wichtig ist diese so genannte „Dritte Seite” tatsächlich?

Die „Dritte Seite” ist kein Muss, aber sicherlich ein toller Türöffner - wenn sie gut geschrieben ist. Wenn nicht, verschließt sich die Tür umso fester.

Sich bewerben bedeutet: Werbung für sich machen, sich in gewisser Weise verkaufen. Vor allem jungen Menschen fällt das schwer. Was sollen sie schreiben?

Es ist schwierig, etwas pauschal zu empfehlen. Aber unsere Erfahrung zeigt: Jeder hat etwas Interessantes über sich anzubieten, von sich zu berichten. Angefangen von der Motivation diesen Beruf erlernen zu wollen, über die soziale Kompetenz bis hin zum Ehrgeiz etwas aus sich zu machen, eine Vision zu realisieren, auszuleben - es findet sich immer etwas. Man muss allerdings geduldig suchen. Manchmal dauert es etwas länger und ein Außenstehender kann bisweilen ganz gut helfen. Aber Geduld, ein guter Text braucht Zeit. So ein erfolgreicher Werbespruch wie „Wohnst Du noch oder lebst Du schon?” ist auch nicht in ein paar Stunden entstanden.