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Eschweiler: Drei Tote, zwei Jahre, kein Prozess

Eschweiler : Drei Tote, zwei Jahre, kein Prozess

Es ist der 21. November 2006, der Tag, an dem sich das Leben dreier Familien schlagartig verdunkelte. Der Tag, an dem drei junge Menschen aus Eschweiler bei einem Unfall auf dem Autobahnkreuz Aachen ums Leben kommen.

Der Tag, der die Eltern von Kevin (17 Jahre alt), Janet (16) und Christopher (20) nicht mehr ruhig schlafen lässt. Auch weil bis heute, fast zwei Jahre später, immer noch kein juristisches Verfahren eröffnet wurde, das die Vorgänge bewertet.

Dabei ist das Unfallgeschehen ausreichend rekonstruiert worden. Beim Überholvorgang auf der A4 gerät der Wagen des 20-jährigen Christopher ins Schleudern und bleibt an der Leitplanke quer auf der Fahrbahn stehen. Um 17.45 Uhr ist es bereits dunkel, die Fahrbahn vom Regen nass.

Ein damals 50-Jähriger rast mit seinem Alfa Romeo in die Unfallstelle und zerfetzt den Wagen. Die drei Insassen des Wagens sterben noch an der Unfallstelle. Gutachter werden später bestätigen, dass der Alfa mit mindestens 133 Stundenkilometern aufgeprallt sein muss - obwohl er vorher gebremst haben soll. Selbst eine Geschwindigkeit von über 160 Stundenkilometern kann nicht ausgeschlossen werden. Erlaubt sind an dieser Stelle maximal 100.

Eine Verfahrenseröffnung gegen den Mann lehnte das Amtsgericht Aachen mit Beschluss vom April dieses Jahres aber ab. Es könne nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass „der nachzuweisende Geschwindigkeitsverstoß kausal für den Tod der drei Personen war”, heißt es. Dem Gericht fehlt ein in ihren Augen entscheidendes Detail: ein medizinisches Gutachten über die genaue Todesursache. Das hätte bei einer Leichenschau angefertigt werden können. Diese hat jedoch nie stattgefunden - obwohl die Toten nach dem Unfall mehrere Tage in der Rechtsmedizin der Kölner Universitätsklinik waren.

Die Staatsanwaltschaft Aachen legte Beschwerde ein. Auch die Anwälte der Eltern, die als Nebenkläger auftreten, schlossen sich dem an. Der beauftragte Gutachter geht davon aus, dass die Geschwindigkeit des Zusammenstoßes durch rechtzeitiges Bremsen nur maximal 37 Stundenkilometer betragen hätte, hätte sich der Beschuldigte an die Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern gehalten.

Dennis Becker von der Aachener Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass die vorliegenden Gutachten ausreichen und der Beschwerdeweg Erfolg hat. Wie der Sprecher des Amtsgerichtes, Georg Winkel, bestätigt, ist jedoch noch immer keine Entscheidung gefallen, ob es zur Anklage kommt.

Für die drei betroffenen Familien setzt sich eine monatelange Tortur fort. Auch die psychologische Betreuung könne nicht darüber hinweghelfen, dass „der schreckliche Unfall noch nicht abgeschlossen ist”, sagt Gordon Hilgers, Vater der verstorbenen Janet.

Im Internet kondolieren immer noch viele junge Menschen aus der gesamten Republik. Die Seiten wurden von Freunden angelegt. Der Zuspruch hilft den betroffenen Familien, aber: „Es sind noch so viele Fragen offen, die ein Verfahren beantworten könnte”, meint Hilgers: „Wir möchten endlich abschließen können.”