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Aachen: Drei rockige „Räuber“ frischen den wilden Klassiker auf

Aachen : Drei rockige „Räuber“ frischen den wilden Klassiker auf

In der Schule? Schillers „Räuber“? „Nein“, lacht Stefan Schwartz und auch Karsten Nordhausen schüttelt den Kopf: „Wir hatten eine moderne Lehrerin in Deutsch . . .“ Regisseurin Ewa Teilmans kann dazu nur leise lächeln, besonders bei dem Gedanken, wie leidenschaftlich die beiden bei ihrer Inszenierung von Friedrich Schillers Schauspiel „Die Räuber“ auf der Aachener Bühne stehen.

Am kommenden Samstag, 24. März, 19.30 Uhr, ist Premiere. Zusammen mit Toshi Trebess sind die handfesten Musiker als Aachener Band Katortz und als raubeinige Räuber mit von der Partie, sorgen für kraftvolle Musik und werden dem empörten Räuber-Ausruf „Pfui! Pfui über das schlappe Kastratenjahrhundert“ gern Nachdruck verleihen.

„Die Räuber“ heute — für Ewa Teilmans ein Stück mit höchster Brisanz. „Freiheit braucht Mut, es ist nicht leicht, etwas Neues zu wagen, das läuft leicht aus dem Ruder“, sagt die Regisseurin. Wenn heute junge Leute gegen die bestehende Ordnung mit ihren Verkrustungen rebellieren, kann sie das verstehen. „Es hat sich doch kaum etwas verändert, es wird in der Politik viel geredet, aber es bleibt eine Lethargie.“

In Schillers Stück begeistert sie und ihre Gast-Schauspieler gleichermaßen die „ungeheuerliche Sprache“ und die Klarheit, mit der ein junger Schiller mutig Kritik an den Herrschenden übte. Ewa Teilmans denkt an die Aufbruchstimmung der 68er-Jahre, aber auch an die inzwischen rund 500 jungen Leute, die radikalen Verführern auf den Leim gegangen sind und sich dem IS zugewandt haben, die Tatsache, wie leicht Rebellion aus dem Ruder laufen kann. „Die Räuber“ heute? „Der Gedanke der Freiheit bleibt aktuell“, meint Karsten. „Das passt sogar zu unserer neuen CD. Und schlimmer, als in diesem Stück, geht‘s ja kaum noch.“

Viele Texte werden in Sprechchören skandiert — und müssen von den Bandmitgliedern geübt werden. „Ich laufe dauernd herum und spreche sie vor mich hin, es ist erstaunlich leicht, sie zu lernen, die Sprache ist spannend“, betont Stefan. „Die Bande redet eben mit einer Stimme, das leuchtet ein.“ Ewa Teilmans geht sogar noch einen Schritt weiter, wenn sie Schillers Frühwerk einschätzt. „Ich will die brachiale Gewalt dieser Texte mit dem Ensemble herausarbeiten.“

Gleichzeitig fasziniert sie, wie sich die Geschichte der beiden Brüder verselbstständigt. Karl, gespielt von Philipp Manuel Rothkopf, der anfangs eine Art Robin Hood sein wollte — von den Reichen nehmen, den Armen geben — rutscht in die Rolle eines Räuberhauptmanns mit Männern, die nur ein Ziel haben: rauben. Und dann ist da Franz, den niemand leiden kann, der eifersüchtig ist und eiskalt seine Macht ausbaut. „Ich habe überlegt, dass selbst er etwas an seiner Seite braucht“, erzählt die Regisseurin. Als sie herausfand, dass ihr Karl-Darsteller Alexander Wanat Cello spielt, war die „Begleitung“ gefunden. Das Cello kommt zum melancholischen Einsatz.

Idee der Regisseurin war es von Anfang an, Hardrockmusiker einzubinden, eine Band die deutsch singt, unkonventionell daherkommt und nach Revolte klingt — wie eben das Trio Katortz. Vor acht Jahren haben die drei zusammengefunden und festgestellt, dass sie sowohl laut und exzessiv als auch leise und einfühlsam sein können.

Ihre Titel sind meist eigene Werke von Gitarrist und Sänger Toshi Trebess. Auch als Räuber singen und spielen sie extra für diese Produktion entwickelte Stücke — zum Beispiel den „Räubersong“. „Wir sind sehr offen für Crossover, sowas macht uns Spaß“, versichert Karsten. Es ist nicht das erste Mal für die Band, die unter anderem in einem Stockhausen-Projekt mitgewirkt hat.

Alles hat gepasst

„Ich wusste vor allem, wie laut sie sein können, welche Bandbreite sie haben und dass sie im Stück wichtig sein werden, weil sie der wilden Sprache musikalisch antworten“, sagt Ewa Teilmans.

Die Zusammenarbeit mit den übrigen Mitgliedern des Ensembles hat gepasst. Spannend waren die ersten Proben auf der Bühne im großen Haus. „Wir haben die Szenen im Schloss und im Wald getrennt erarbeitet“, erklärt Ewa Teilmans. „Hier sind nun alle aufeinander getroffen.“ Mit Gänsehaut, wie die Musiker gestehen. „Wir erhielten ein positives Feedback, das Arbeitsklima war toll“, schwärmen sie, die nun doch ganz froh sind, dass Friedrich Schillers Werk sie nach all den Jahren auf diese Weise eingeholt hat.