Aachen: Drei Frauen im Krieg: „Ichglaubeaneineneinzigengott.hass“ im Mörgens

Aachen: Drei Frauen im Krieg: „Ichglaubeaneineneinzigengott.hass“ im Mörgens

Sie schaut sie an. Fast schon aufdringlich. Ihr Blick ist starr und musternd. „Was will dieses palästinensische Mädchen von mir?“, fragt sich Eden. Eden, Professorin für jüdische Geschichte, hat aufgehört, lange Diskussionen zu führen. Stattdessen nickt sie einfach, während Shirin, Märtyrerin, sie beobachtet.

Und dann ist da noch Mina, US-Soldatin mit abschreckender Coolness und einer Portion Ironie. Sie alle, die palästinensische Märtyrerin und Studentin Shirin, Eden und Mina, verbindet viel mehr, als man auf den ersten Blick denkt. In „Ichglaubeaneineneinzigengott.hass“ von Stefano Massini widmet sich das Theater Aachen im Mörgens dem Nahost-Konflikt.

Schauspielerin Petya Alabozova spielt in dem Stück gleich drei Frauenrollen und erzählt aus deren jeweiliger Sicht von ihrem Alltag in Tel Aviv. Mit ihrem Maschinengewehr im Arm ist sie mittendrin im alltäglichen Wahnsinn. Genau wie Eden. Die eloquente Frau mit schwarzer Hornbrille lehrt an der Universität jüdische Geschichte. „Geschichte bringt einem bei, genau zuzuhören“, sagt sie. Obwohl sie selbst immer mehr verstummt.

Einen Anschlag hat sie bereits überlebt. Doch was heißt schon überlebt? „Wer ein Attentat überlebt, der hat den Tod im Kopf“, erklärt sie schlaflos in ihrem Apartment, während sie versucht, ihre Rachegedanken zu verdrängen. Immerhin will sie doch nur Sicherheit. Nur ein kleines bisschen Sicherheit. Shirin will das auch. Die grandiose Art und Weise, wie Alabozova die verschiedenen Rollen spielt, macht sprachlos und schockiert. Schonungslos und fesselnd äußern ihre Figuren Dinge, die fassungslos machen, aber gleichzeitig auch berührend sind. Ein Leben inmitten eines Kriegsschauplatzes, in dem im Namen der Religion Leben vernichtet werden, bedeutet Leben in einer Blase aus Waffen, Angst und Fanatismus.

Dramaturgin Gesa Lolling und Regisseurin Matthias Fuhrmeister setzen sich mit der Frage der Identität auseinander und machen deutlich, dass es mehr als nur eine Wahrheit gibt. Denn so unterschiedlich die Frauen sein mögen, so verbindet sie mehr. Nur dieses „Mehr“ wird schon im Keim des Krieges erstickt.

Mehr von Aachener Zeitung