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Aachen: Dramatisches hoch auf dem Dach

Aachen : Dramatisches hoch auf dem Dach

„Mami, was ist eine Oper?” Diese Frage war des Öfteren zu hören im voll besetzten „Space” des Ludwig Forums.

Ganz bei der Sache war das quirlige junge Publikum bei Benjamin Brittens Werk „Der kleine Schornsteinfeger”, eigens für Kinder geschrieben und vor mehr als einem halben Jahrhundert in Aldeburgh, dem damaligen Wohnsitz des Komponisten, erfolgreich uraufgeführt.

Das dort von ihm 1948 ins Leben gerufene Musikfestival besteht bis heute. Jetzt machte die erste Gemeinschaftsarbeit vom Konservatorium Maastricht und der Musikhochschule Aachen dem „unverstaubten” Werk alle Ehre.

Benjamin Britten, der große britische Tonmeister (1913-1976), der Kindern Mut und Rückhalt geben wollte, hatte es bereits so vorgegeben: Die Zuschauer sollten in „ihrer” Oper auch mitmachen dürfen. Dirigent Jeremy Hulin machte ganz nebenbei eine kleine Einführung in die Welt der Oper - eventuelle Berührungsängste verpufften da ganz schnell wie Rauch aus dem Kamin.

Um Schornsteine ging es ja, vor allem um den kleinen Schornsteinfeger Sam, der von bösen Rauchfangkehrern ausgenutzt und misshandelt wird. Wie die sozialkritischen Erzählungen von Charles Dickens hat auch Brittens Geschichte einen realen Hintergrund.

Im 19. Jahrhundert wurden in England Kinder in die Schornsteine „gepresst”, da die erwachsenen Kaminkehrer oft zu groß oder zu breit waren, um bis nach oben zu gelangen.

Aber auch der kleine Sammy, wie ihn die anderen Kinder nennen, bleibt plötzlich stecken und muss um Hilfe rufen. Turbulent und temperamentvoll, auch in musikalischer Hinsicht, wird das Geschehen szenisch und musikalisch aufgelöst. Verrußt und geschunden, wird der Kleine erst mal getröstet, gebadet und schließlich im Schrank versteckt. Der Knabe wird übrigens von der jungen Katharina Niess gespielt. Schön plastisch

das gute Ende und Brittens Botschaft, dass Kinder stark sind und Solidarität allen hilft. Die ansprechende Ausstattung stammt von Kerstin Faber.

Ralf Buddes Regie sorgte für Spielwitz und Tempo. Um wenigstens einige mitwirkende Studierende zu nennen: Großartig agieren Sebastian Joest und Guy van Horne als brutale Kaminkehrer und als dümmliche Kofferträger.

Köstlich wirkt Kara Lundsdatter als strenge „Miss Baggott” und Britt Truyts gefällt als kluge „Rowan”. Können und Engagement auch beim jungen Orchester. Beifall, der kaum enden wollte.