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Dramatischer Priestermangel: 2022 noch 106 Seelsorger im Bistum

Dramatischer Priestermangel: 2022 noch 106 Seelsorger im Bistum

Aachen. Im Bistum Aachen droht ein dramatischer Mangel an Priestern. Derzeit sind 344 Priester in den 529 Gemeinden von Krefeld über Heinsberg und Düren bis Aachen und der Eifel aktiv.

In knapp zehn Jahren wird es nach aktuellen Prognosen nur noch die Hälfte sein - 175. Bis 2022 wird die Zahl demnach sogar auf 106 sinken. Damit stehen in 14 Jahren weniger als ein Drittel der heutigen Zahl an Geistlichen für die Seelsorge zur Verfügung.

Angesichts dieser Entwicklung betonte Bischof Heinrich Mussinghoff am Mittwoch in Aachen die dringende Notwendigkeit zu weitreichenden Pfarrfusionen. „Wir blicken mit sehr großer Sorge in die Zukunft”, sagte Domkapitular Heiner Schmitz, Leiter der Hauptabteilung Pastoralpersonal. „Wir müssen uns fragen, ob mit 106 Priestern im aktiven Dienst die sakramentale Grundversorgung überhaupt noch gesichert werden kann.” In der Stadt Aachen etwa stehen 2017 - inklusive Kornelimünster und Roetgen - nur zwölf Priester für 40 Pfarren in dann acht Gemeinschaften der Gemeinden zur Verfügung.

Der Gründe für den dramatischen Einbruch sind einerseits die anstehenden Ruhestände vieler Priester - das Durchschnittsalter der Priesterschaft im Bistum liegt derzeit bei 58 Jahren. Auf der anderen Seite kommen seit Jahren immer weniger neue Priester nach. Allerdings gibt es in diesem Punkt aus dem Bistum aktuell erfreuliche Nachrichten: Acht Priesteramtskandidaten sind in diesem Jahr neu hinzugestoßen. 29 Teilnehmer hat das Seminar nun. Einen neuen Trend will Schmitz daraus aber nicht ablesen. Zuvor seien es jahrelang maximal zwei Neubewerber gewesen.

Neue alte Wege geht das Bistum in der Ausbildung von Laienseelsorgern: Nach sieben Jahren soll die aus Spargründen aufgegebene Ausbildung von Pastoral- und Gemeindereferenten ab 2010 wieder aufgenommen werden. „Damit können wir den personellen Sinkflug aber nur abbremsen, nicht kompensieren”, sagte Schmitz.

Erfolg zeigt der massive Sparkurs des Bistums: Generalvikar Manfred von Holtum meldet einen Anstieg der Einnahmen von 268 Millionen Euro im vorigen Jahr auf 271 Millionen Euro in diesem Jahr. Dem stehen Kosten von 241 Millionen Euro 2007 und 250 Millionen Euro 2008 gegenüber - wobei die Personalkosten um 300.000 Euro auf 108,1 Millionen gefallen sind.

Bistum gründet Stiftungen

Zur finanziellen Absicherung seiner Arbeit will das Bistum zunächst fünf selbstständige kirchliche Stiftungen gründen. Sie sollen im Januar 2009 formal eingerichtet sein und mit einem Kapitalstock von zusammen vier Millionen Euro starten, die vorwiegend aus Vermächtnissen stammen. Selbstständige Stiftungen stehen unter staatlicher Aufsicht.

Eine Stiftung für das Partnerland des Bistums, Kolumbien, soll bis 2012 jährlich mit 200.000 Euro aus dem Bistumshaushalt ausgestattet werden. Damit soll wie schon in den vergangenen gut 40 Jahren die Seelsorge in Kolumbien unterstützt werden. Weitere Stiftungen sind für die pastoralen Dienste, für Kirchenbau und Denkmalpflege, für bischöfliche und kirchliche Schulen sowie zur Sicherung des Stiftungs- und Spendenwesens geplant.