Spa: „Dr. House” auf der Bühne bei den Francofolies in Spa

Spa: „Dr. House” auf der Bühne bei den Francofolies in Spa

Es liegt was in der Luft in diesen Tagen in Spa. Nein, gemeint ist nicht der Duft von belgischen Fritten oder anderem Essen, der einem auf Schritt und Tritt in der Nase ist. Es liegt derzeit noch etwas anderes in der Luft in der kleinen Stadt mit der großen Bädertradition: Musik.

Die Francofolies laufen, noch bis Sonntagabend. Insgesamt stehen nach Aussage von Charles Gardier, einem der beiden Direktoren, 235 Konzerte auf 15 Bühnen auf dem Programm.

Jahr für Jahr ist das große Festival - nur rund 50 Kilometer von Aachen entfernt - ein Treffpunkt für die Stars und Freunde der französischsprachigen Musik. Jetzt also die 19. Ausgabe. Es herrscht eine ganz besondere Stimmung im Ortskern. Die einzelnen Schauplätze liegen nicht weit auseinander. Man kann beispielsweise leicht vom Rathausplatz, wo die größte Bühne steht, zum Village Francofou mit seinen drei Podien schlendern. Quasi überall ist etwas los, wird Musik gemacht.

Natürlich liegt der Schwerpunkt auch in diesem Jahr wieder bei der französischsprachigen Musik - Pop, Rock, Chanson. Aber es gibt auch Ausnahmen. Eine davon ist Hugh Laurie. Der britische Schauspieler, der bei uns vor allem durch seine Titelrolle des Dr. Gregory House in der Krankenhaus-Serie „Dr. House” bekannt ist, bot auf dem Rathausplatz einen erstklassigen Auftritt und zeigte sich als exzellenter Entertainer.

Es war eine musikalische Sprechstunde der speziellen Art. Urig, kauzig irgendwie. Die Bühne dekoriert mit uralten Lampenschirmen, Läufern, Gardinenelementen, kleinen Fähnchen auf dem Flügel. Kein großer technischer Firlefanz, nur wenige Mikrofone für die akustischen Instrumente. Blues in unterschiedlichen Variationen - knorrig, sumpfig.

Auf seinem im vorigen Jahr erschienenen Debütalbum „Let Them Talk” widmete sich Laurie ausführlich dem New-Orleans-Blues, für den er schon seit seiner Kindheit viel übrig hat. Der Herr Doktor plauderte munter drauflos, machte trockene Scherze - auf Englisch, dazwischen wenige Brocken Französisch. Er sang, ließ die Finger über die Flügeltasten laufen, griff auch zur Gitarre. Unter den Songs auch eine herrlich verschleppte Version von „Battle Of Jericho”, dem Spiritual. Sehr unterhaltsam, das Ganze.

Groß die Vielfalt auf den diversen Bühnen. Im Village Francofou beispielsweise stolzierte Julien Doré, früherer Gewinner der französischen Castingshow „Nouvelle Star” und nach zwei Alben sehr populär in Frankreich und Belgien, durchs effektvoll rockige Geschehen, begleitet von lautem Gekreische. Währenddessen wurde nur einige Meter entfernt beim locker-luftigen Pop von Mickaël Miro kräftig mitgesungen.

Ebenfalls viel mitzusingen gab es zu nächtlicher Stunde auf dem Rathausplatz bei der Folk-Pop-Show von Nolwenn Leroy mit vielen irisch/keltisch angehauchten Hits. Die 29-jährige Sängerin aus der Bretagne, auch eine ehemalige Castingshow-Siegerin, konnte mit ihrem jüngsten Album „Bretonne” einen Riesenerfolg verbuchen und damit auch in den deutschen Charts Einzug halten.

Heute stehen bei den Francofolies unter anderem abends die französischen Größen Christophe Willem, Cali und Laurent Voulzy auf dem Programm, morgen Benabar und Jean-Louis Aubert. Tickets sind vor Ort erhältlich. Neben den Konzerten, für die Eintritt bezahlt werden muss, gibt es aber auch viele Gratis-Auftritte.

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