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Düsseldorf: DNA-Analyse: Dem Täter auf der Spur

Düsseldorf : DNA-Analyse: Dem Täter auf der Spur

Für die Hinterbliebenen des Opfers mag es eine späte Genugtuung gewesen sein, als das Landgericht Bonn im Juni den 51 Jahre alten Jürgen B. zu lebenslanger Haft verurteilte. B. hatte nach Feststellung der Richter eine 38-jährige Heilpraktikerin erdrosselt und die Leiche dann zerstückelt. Doch die Tat geschah nicht vor kurzem, sondern liegt schon 21 Jahre zurück.

Dass die Justiz B. nach so langer Zeit überführen konnte, hat sie den Möglichkeiten modernster Polizeiarbeit zu verdanken. Mit Hilfe der Mitte der 90er Jahre eingeführten DNA-Analyse können die Ermittler auch viele Jahre zurückliegende, bislang ungelöste Fälle aufklären - und Mördern wie Jürgen B., die sich längst sicher fühlten, auf die Spur kommen.

DNA ist die englische Abkürzung für den schwer zugänglichen Begriff Desoxyribonukleinsäure - ein kompliziert aufgebautes Molekül, das die Erbinformationen jedes Lebewesens in sich trägt. Jede Körperzelle des Menschen ist mit einer DNA ausgestattet. Und wie der Fingerabdruck jedes Menschen ist auch jede DNA einmalig. Hier setzen die Ermittler an: Denn noch viele Jahre nach der Tat lässt sich intakte DNA an Tatwaffen oder Stoffen, mit denen ein mutmaßlicher Täter in Berührung gekommen ist, nachweisen.

„Vor allem Körperflüssigkeiten wie Blut, Speichel und Sperma sind besonders intensive DNA-Träger”, berichtet die stellvertretende Leiterin des Dezernats forensische Serologie und DNA-Analyse beim Landeskriminalamt (LKA) Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, Gabriele Molsberger. Auch Hautreste können geeignet sein. Das LKA-Dezernat führt pro Jahr Zehntausende DNA-Analysen aus den eingehenden Kriminalfällen durch. Die rund 50 Mitarbeiter des Dezernats, darunter 17 Biologen, filtern dazu in ihren Labors aus Tatortspuren DNA mit speziellen Analysegeräten in akribischer Arbeit heraus.

„Wir brauchen nur einige 100 intakte Zellen, um eine brauchbare DNA-Analyse zu machen”, erläutert Molsberger. Doch das sei oft sehr schwierig, weil sich in 80 Prozent der Fälle nur „gemischte DNA” findet, die von zwei oder mehr Personen stamme und die einzelne DNA erst isoliert werden müsse. Um ein strafrechtlich brauchbares Ergebnis zu bekommen, müssen dazu auf einem DNA-Strang aus rund sechs Milliarden Bausteinen acht kleine, besonders aussagestarke Abschnitte isoliert werden, die den „genetischen Fingerabdruck” jedes Menschen darstellen. Auf diese acht DNA-Abschnitte haben sich die Ermittlungsbehörden international verständigt.

Mit diesen sogenannten DNA-Identifikationsmustern beginnt die eigentliche kriminalistische Arbeit - die Ermittlung des Täters. Hat die Polizei einen Tatverdächtigen, muss dieser eine Speichelprobe abgeben, die mit DNA-Spuren des Tatorts verglichen wird. Bei einer Übereinstimmung ist der Täter überführt. Auf diese Weise konnte beispielsweise Jürgen B. nach 21 Jahren dingfest gemacht werden.

Gibt es keinen unmittelbaren Tatverdächtigen, kommt die DNA-Analyse-Datei ins Spiel. Sie wird beim Bundeskriminalamt (BKA) geführt und enthält seit ihrer Einführung 1998 inzwischen mehr als 600.000 DNA-Analyse-Datensätze von straffälligen gewordenen Personen und DNA-Spuren bislang unbekannter Täter. Rund 104.000 Datensätze davon stammen aus der Ermittlungsarbeit des LKA NRW. Pro Monat nimmt die Zahl der gesammelten Datensätze laut LKA um zwei Prozent zu.

Die an einem Tatort festgestellten DNA-Spuren können die Ermittler dann mit dieser Datei abgleichen - und in vielen Fällen so eine unbekannte DNA-Spur einer bereits gespeicherten Person zuordnen oder die ermittelte DNA eines Tatverdächtigen mit einer bislang unbekannten DNA-Spur in Einklang bringen. LKA-Sprecher Frank Scheulen: „Je mehr Datensätze eingegeben werden, desto mehr Treffer bekommen wir und desto mehr Fälle klären wir auf.”