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Aachen: Dirigent mit exzellenter Schlagtechnik sorgt für klangliche Brillanz

Aachen : Dirigent mit exzellenter Schlagtechnik sorgt für klangliche Brillanz

Mit 36 Jahren ist er zwar nicht mehr blutjung. Aber die Förderung durch den Deutschen Musikrat hat der estländische Dirigent Mihkel Kütson allemal verdient. Und ein Gastdirigat beim Sinfonieorchester Aachen nicht minder.

Was der begabte Musiker drauf hat, zeigte er spätestens nach der Pause des 4. Sinfoniekonzerts im nicht ganz voll besetzten Eurogress. Die Interpretation von Witold Lutoslawskis „Konzert für Orchester” gelang wie aus einem Guss, bestach durch genaue Werkkenntnis, eine exzellente Schlagtechnik, klare, kontrastreiche Konturen und klangliche Brillanz.

Lutoslawski, der (trotz Penderecki) bedeutendste polnische Komponist der Nachkriegszeit, verlangt Dirigent und Orchester große Flexibilität im Umgang mit stilistischen Anleihen aus Barock und Gegenwart ab und stellt mit diesem Klassiker der modernen Orchesterliteratur seine Fähigkeit als origineller Formgestalter und Klangmagier nachdrücklich unter Beweis. Die Anforderungen an das Orchester sind entsprechend hoch. Und Kütson gelang es vorbildlich, die Qualitäten der Aachener Sinfoniker zu mobilisieren.

Ganz so eindeutig fiel der erste Teil des Abends nicht aus. Im Kopfsatz der 5. Sinfonie von Franz Schubert fand Kütson zwar noch den hellhörigen, federnden Tonfall des klassisch transparenten Stücks, doch bereits das Andante verlor an Spannung und Geschmeidigkeit.

Problematisch

Den Schwung des Kopfsatzes erreichte Kütson auch in den beiden letzten Sätzen nicht mehr.

Und die mehr oder weniger gelungenen Instrumentationen von fünf Schubert-Liedern aus den Federn überwiegend bekannter Komponisten zeigten vor allem, dass der Ausdrucksgehalt der Gesänge durch eine große Orchesterbesetzung eher verstellt wird. Das gilt am wenigstens für die relativ Schubert-nahe Bearbeitung des Liedes „Memnon” durch Johannes Brahms und für Liszts Transkription des „Erlkönigs”, der eine robustere Instrumentierung noch am Besten vertragen kann.

Problematischer geraten die Bearbeitungen der „Gruppe aus dem Tartarus” und des „Prometheus” durch Max Reger und vor allem die fast sentimentale Weichspülung von „Du bist die Ruh´” durch Kurt Killmann.

Auch dem Sänger wird die Aufgabe durch das orchestrale Umfeld nicht erleichtert, stimmlich nuanciert den Ausdrucksebenen der Lieder nachzugehen. Es ist also dem Bariton Martin Berner nicht vorzuwerfen, dass nahezu alle fünf Lieder robust opernhaft klangen. Dennoch gelang ihm manche gestalterische Feinheit. Und seine tragfähige Stimme tat dann ihr Übriges.

Viel, teilweise begeisterter Beifall für ein hörenswertes Konzert mit interessanten Akzenten.