1. Kultur

Maastricht: Dinosaurier faszinieren immer noch

Maastricht : Dinosaurier faszinieren immer noch

Am Südrand der Maastrichter Altstadt liegt, umgeben von schmucken barocken Bürgerhäusern sowie den Neubauten von Musik- und Kunst-Akademie, ein Geheimtipp.

Denn das Natuurhistorisch Museum (NHM) macht äußerlich nicht besonders viel von sich her, obwohl sein Kern das schmucke alte Kloster der „Grauwzusters” nebst Kapelle ist. Der Mensch muss schon ins Internet gehen, um die spektakuläre Eigenwerbung des Museums zu sehen.

Auf den Straßen und in den Massenmedien machen Direktor Douwe de Graaf und seine Mitarbeiter wenig Aufhebens von ihren Schätzen und ihrer Arbeit - obwohl des Haus gerade für Familien zentnerweise Erlebnisse der nachhaltigen Art bietet.

Original-Gebeine

Obwohl die Dino-Welle rund um die „Jurassic Park”-Filme längst abgeebbt ist: Faszinierend ist die Begegnung mit den Urzeit-Tieren noch immer. Dass die ausgerechnet in Maastricht zu sehen sind, beruht auf mehr als einem Zufall: 1770 fanden Steinbruch-Arbeiter in einer der Mergelgrotten vor der Stadt die ersten Skelett-Teile. Die haben ihnen dann, unter Napoleon rund zwei Jahrzehnte später, die Franzosen abgenommen und seither nicht wieder herausgerückt.

Aber die Rekonstruktion im Erdgeschoss schlägt unzweifelhaft junge und alte Besucher in ihren Bann. Geschichte ist im NHM nichts Abstraktes - sie ist mit Händen zu greifen und spielt sich direkt vor den Augen der Betrachter ab. Wer davor steht, sieht nämlich zuerst, in welcher Situation die Arbeiter 1770 die Gebeine des Mosasauriers antrafen.

Auf Bodenhöhe haben Museumsmitarbeiter die Fundstelle rekonstruiert. Rechts daneben, an der Wand herrscht dann eine leicht gruselige Atmosphäre: Findige Menschen haben das Tier aus der Urzeit mit Kunststoff nachgebaut.

Originale Dino-Gebeine gibt es in Maastricht auch. In einem Glasgebäude im Garten des Museums trifft der Besucher „Bèr”, das Maskottchen des Museums. Rund 65 Millionen Jahre nach seinem Tod wurde der Saurier der Gattung Prognatodon ausgebuddelt.

Doch im Gegensatz zum ersten Mosasaurus aus dem 18. Jahrhundert wurden seine Überreste von keiner Besatzungsmacht in deren Hauptstadt verschleppt. Und moderne Klimatechnik erlaubt es, die Knochen zur Schau zu stellen.

Wie Menschen die Natur der Vergangenheit und der Zukunft erforschen, wird im NHM nicht nur am Beispiel der Saurier deutlich. Auch anhand anderer Beispiele wird deutlich, das das Museum ein Haus ist, dass Wissenschaftler und ihr Denken für den Laien durchschaubar darzustellen versucht.

Das geht weit in die Geschichte zurück: Zu den Räumen gehört auch ein im Stil des 19. Jahrhunderts gestaltetes Naturforscher-Kabinett mit allerlei ausgestopften Tieren, getrockneten Pflanzen und alten Büchern. Wie der Forscher mit kundigem Blick in Versteinerungsformen Lebewesen erkennt und wie sich überhaupt das Gestein bildet: Alles das (und noch sehr viel mehr) dokumentieren die Ausstellungsmacher höchst anschaulich.

Denn das Natuurhistorisch Museum bringt die Wissenschaft auf eine Augenhöhe mit dem Besucher. Weder herrscht eine abgehobene Darstellungsform noch wird das fachliche Tun zu einem flachen Populismus abgeflacht. In einem gegenwärtig kaum noch anzutreffenden Sinn dient das NHM der Volksbildung - ohne erhobenen pädagogischen Zeigefinger, dafür aber spannend und lehrreich.

Pfiffig gestaltet und unbedingt einen Besuch im Internet wert:

hhtp://www.nhmmaastricht.nl