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Köln: Die Wuschligen erobern das Rheinland

Köln : Die Wuschligen erobern das Rheinland

Sie sind niedlich, durchtrieben, übermütig. Draufgängerisch, magisch und bejammernswert. Edel, frech oder weise. Sie tragen Streifen, schwarzweiße Flecken oder einen scheckigen Wuschelpelz.

Und sie sind - vielleicht von Walt Disneys „Aristocats” mal abgesehen - die berühmtesten Katzen der Welt. 1981 erlebte Andrew Lloyd Webbers Musical „Cats” im „New London Theater” seine umjubelte Uraufführung und löste einen Siegeszug der singenden, tanzenden Samtpfoten aus.

Die Geschichte, die auf T.S. Eliotts „Old Possums Katzenbuch” (1939) basiert und davon handelt, wie sich die charakterlich und äußerlich so ganz und gar unterschiedlichen Mäusejäger zum nächtlichen „Jellicle”-Ball auf einem Schrottplatz treffen, verzauberte Erwachsene und Kinder gleichermaßen. „Cats” wurde mit unzähligen Kritiker-Preisen bedacht und wurde sowohl im Londoner Westend als auch am Broadwayin New York zum am längsten je gespielten Musical.

In mehr als 30 Ländern gespielt

Seitdem wurde der Bühnenhit in nahezu 30 Ländern und mehr als 300 Städten vorgestellt, unter anderem als deutsche Uraufführung am 18. April 1986 im Operettenhaus Hamburg. Weltweit kann die Produktion bisher über 65 Millionen Zuschauer verzeichnen. Aber die Erfolgsgeschichte ist noch nicht zu Ende. Vom 12. November bis zum 14. Dezember kommt „Cats” in den Kölner Musical Dome.

Das Besondere daran: Erstmals in NRW wird die englische Originalfassung gezeigt. „Es ist schon etwas anderes als die deutsche Fassung”, sagt Chrissie Cartwright, die das Musical für die Tournee reinzeniert hat, „die Reime von T.S. Elliott entfalten ihre ganz eigene Rhythmik, ihre ganz spezielle Melodie.”

Cartwrights Streben ging dahin, die Tourproduktion „so nahe wie möglich an die Londoner Ur-Produktion anzulegen”. Unter den Akteuren finden sich Neuzugänge, Debütanten und alte Hasen - pardon Katzen - die schon im Westend dabei waren oder bei deutschen Gastspielen auf der Bühne standen.

Ein besonderer Glücksgriff war es, Chrissie Hammond erneut verpflichten zu können. Schon in London war sie Grizzabella. Die einstige Glamourkatze, die nun mit räudigem Pelz, zerfetzten Ohren und müden Knochen um Wiederaufnahme in den Clan der „Jellicles” buhlt, ist eine Glanznummer für sie. Und „Memories” - das wohl berühmteste und traurigste Stück aus „Cats” ihre Glanznummer. Wenn Hammond es singt, bekommt man Gänsehaut.

„Es war ein ganz besonderer Prozess, zur Katze zu werden - ziemlich schnell bricht sich der Instinkt Bahn, und du wirst eins mit dem, was du tust und kannst gar nicht mehr anders”, erzählt sie in Köln.

Ihre Dauerrolle als Grizzabella kommentiert sie humorvoll: „Früher musste ich mir die Falten ins Gesicht schminken, heute fülle ich sie mit Schminke aus!”

Noch nicht ganz trocken hinter den Ohren hingegen ist Jung-Katze Victoria. Sie ist schneeweiß, ungemein edel und eine bezaubernde Erscheinung. In ihre Rolle schlüpft die 22-Jährige Rachel Ensor: „Für mich wird damit ein Traum wahr. Ich war schon Fan von Cats, als ich noch ganz klein war. Alle Mädchen waren das. Und alle wollten mitmachen.” Die geschmeidigen, eleganten Bewegungen von Victoria bringt sie ganz natürlich rüber: „Das wird zum Teil deines Körpers.”

Eher träge dagegen räkelt sich Jennyannydots. „Sie ist eine mittelalte, sehr mütterliche Katze, die sich um alles kümmert - auch um Victoria”, erzählt ihre Darstellerin Barbara King, die selbst 17 Jahre lang das Leben mit einer Katze teilte: „Ihr verdanke ich wichtige Inspirationen.” Auch das Bühnenbild im katzengerechten Format - alle Requisiten wurden entsprechend vergrößert -, die aufwendigen Pelz-Kostüme und Masken, die allesamt Unikate sind, und die unvergessenenen Melodien von Musical-Meister Andrew Lloyd-Webber machen „Cats” zum Erlebnis.

Und wenn am 12. November zum ersten Mal in Köln die „Nacht der Nächte” steigt, werden sie alle da sein: Die Niedlichen, die Durchtriebenen, die Übermütigen. Die Gestreiften, die Gefleckten und die Wuschligen. Victoria, Grizzabella, Jennyannydots und all die anderen, die dafür sorgen, dass Katzen auf der Bühne mehr als nur neun Leben haben.

Vorstellungen und Preise: Kinder erhalten mehr als 50 Prozent Rabatt

„Cats”, Musical von Andrew Lloyd Webber, n englischer Sprache im Musical Dome Köln: 12. November bis 14. Dezember (Previews: 12. bis 14. November, Premiere: Samstag, 15. November, 20 Uhr).

Vorstellungen ab da: Di., Do., Fr. und Sa., 20 Uhr, Mi. 18.30 Uhr, Sa. zusätzlich 15 Uhr, So. zusätzlich 19 Uhr. Am Mo. ist spielfrei. Preise: 37,50 Euro bis 87,50 Euro zzgl. Vorverkaufsgebühr; Rabbat für Kinder bis 16 Jahre über 50 Prozent.