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Aachen: „Die Wunderübung“: Wer hilft hier wem?

Aachen : „Die Wunderübung“: Wer hilft hier wem?

Da kommt er ganz schön ins Schwitzen, der Paartherapeut, der sich eher als „Berater“ sieht, Denn dieses Ehepaar ist eine echte Herausforderung. Heillos zerstritten wirken Joana und Valentin, beide über 40, zwei Kinder.

Joana mit ihrer zynischen Angriffslust scheint ihren Mann kaum noch ernst zu nehmen. Valentin krallt sich an den Sessellehnen fest und tut das, war er laut Joana besonders gut kann: schweigen.

Im schlichten „Beratungsraum“, bestückt mit Lamellenvorhängen und zwei Tischchen für das Paar sowie einem Arbeitseckchen für den Eheberater, gewinnt die eloquente Joana schnell die Oberhand über ihren eher zurückhaltenden Mann. Doch im Wort „zurückhaltend“ scheint schon ein schwerer Vorwurf zu liegen. Später, als der Therapeut freundlich fragt: „Warum trennen Sie sich eigentlich nicht?“, weiß keiner von beiden eine Antwort. Denn anscheinend können sie nicht miteinander und auch nicht ohne einander sein.

Regisseur Jens Pesel, der auch für Bühne und Kostüme verantwortlich ist und zum dritten Mal im Aachener Grenzlandtheater inszeniert, macht aus „Die Wunderübung“ von Erfolgsautor Daniel Glattauer eine überaus unterhaltsame Komödie mit viel Wahrheitsgehalt — kein Wunder, denn Pesel hat auch als Psychiater gearbeitet.

Allerdings ist ein Vergleich mit Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ nicht angebracht. Denn in „Wunderübung“ gibt es Hoffnung, Humor und Witz vom Feinsten. Frust und Wut fallen von Joana und Valentin ab, wenn sie an ihr Kennenlernen erinnert werden. Doch alles erhält eine überraschende Wendung, als offenbar auch der „Helfer“ zu einem recht hilflosen Mann wird.

Hinreißendes Paarspiel von Regina Stötzel als bissige Joana und Carsten Klemm als zurückhaltender Valentin, fein dosiert offenbart David Allers des Beraters Kunst. Großer herzlicher Applaus des Premierenpublikums.