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Aachen: Die unbekannten Stars im Hintergrund

Aachen : Die unbekannten Stars im Hintergrund

Eine der „Fragen eines lesenden Arbeiters” nach Brecht lautete „Wer baute das siebentorige Theben?”. Die Frage eines lesenden - und jetzt auch kinogehenden - Musikfans bleibt etwas unwesentlicher.

Wer spielte die zahllosen Hits des legendären Motown-Labels ein?

Marvin Gaye, Stevie Wonder, The Temptations, The Four Tops, Diana Ross oder The Supremes sind nur die Bekanntesten einer sagenhaften Musik-Periode der 60er und frühen 70er Jahren.

Dem Motown-Sound gelang hundertfach ein Nr.-1-Hit, und verantwortlich dafür waren die Studiomusiker „The Funk Bro-thers” - das jedenfalls behauptet ein Buch von Allen „Dr. Licks” Slutsky sowie dieser Film mit dem gleichen Titel „Standing in the Shadows of Motown”: Erst die Arrangements der genialen Musiker im Hintergrund machte aus den Kompositionen und den vagen Ideen der Produzenten echtes Hitmaterial.

41 Jahre später geben die, die anfangs nicht einmal auf den Plattencovern erwähnt wurden, ein umjubeltes Konzert mit vielen bekannten Hits - eine Art „Detroit Social Club”.

Die These von den wahren Genies im Hintergrund ist allerdings nicht sehr überzeugend, denn die Studiomusiker all der Hits machen auch heute nicht viel her. Deshalb müssen ihnen wieder bekannte Sänger die Show stehlen.

Dabei stellt man fest, dass meist die Originalversion doch die bessere war, aber auch die Interpretationen von Joan Osborne, Meshell Ndegeocello, Bootsy Collins, Ben Harper oder Chaka Khan machen Spaß - im Film und auf dem guten Soundtrack zum Film.

Zwischendurch gibt es eine Ortsbegehung im alten Studio A, „Snakepit” - Schlangengrube genannt -, nette Gespräche mit den alten Herren und viele spannende Geschichten, wie es damals in Detroit war, als Schwarzer Musik zu machen.

Dabei vergisst man schnell die unglückliche Grundthese und geht ganz in der Musik auf. Die ist tatsächlich genial - das bleibt unbestritten! (Aachen, Zwei-99)

„Standing in the Shadows of Motown”, USA 2002, Regie Paul Justman, 108 Min. Original mit Untertiteln.