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Aachen: Die „Überfliegerin” garantiert den Erfolg

Aachen : Die „Überfliegerin” garantiert den Erfolg

Im November wurde im Theater Aachen „La Bohème”, die dramatische Puccini-Oper um die unglückliche Mimi, wieder ins Programm aufgenommen, des großen Erfolges wegen. Eine wunderbar sinnliche Inszenierung voller Leidenschaft und mit prächtigen Stimmen, von Ewa Teilmans ebenso stilsicher wie hochemotional auf die Bühne gebracht.

Ebenso fesselnd ist ihre Präsentation von Yasmina Rezas bitterböser Komödie „Der Gott des Gemetzels” in der Kammer. Jetzt wagt sich die Frau mit den dunklen Samtaugen an Verdis „Rigoletto” heran - die Oper um den fluchbeladenen Hofnarren und seine Tochter Gilda hat Karnevalssonntag Premiere.

Seit langem ein Paar

„Die Premiere ist bereits total ausverkauft”, strahlt Intendant Michael Schmitz-Aufterbeck mit seiner frischgebackenen Ehefrau um die Wette. Im Dezember haben er und Ewa Teilmans, seit langem ein Paar, den Bund fürs Leben auch offiziell bekräftigt.

Dennoch ist die erfolgreiche Regisseurin keine typische „Intendantin-Gattin”, denn die kreative Persönlichkeit, die aus Garmisch-Partenkirchen stammt, war schon selbst Theaterleiterin in Reutlingen und von 1999 bis 2006 Intendantin des Wolfgang Borchert Theaters Münster, wo sie auch viele Stücke selbst inszenierte. Sie ist aber auch Schauspielerin, Diseuse, Autorin und Mutter von zwei Töchtern im Teenager-Alter.

Zweifellos ist die Mama so etwas wie eine Überfliegerin, auch wenn sie das nicht gerne hört. Doch wer bereits mit 21 Jahren das Studium der Germanistik, Philosophie und Romanistik abgeschlossen hat und dann gleich im ersten Rutsch an der überlaufenen Hochschule der Künste in Berlin angenommen wird, ist wohl kaum durchschnittlich zu nennen.

Auch bei „Rigoletto” stellt das Paar seine Beziehungsfähigkeit unter Beweis: Sie inszeniert, er steht ihr als Dramaturg zur Seite. Drei Dinge haben Ewa Teilmans an dem großen Opernstoff besonders gereizt: Der Konflikt zwischen Gut und Böse, das Thema Identität und die aktuelle gesellschaftliche Komponente.

Denn am Hofe von Mantua ergeht sich in Verdis Oper, 1851 in Venedig uraufgeführt, eine egomanische „Spaßgesellschaft”, die der heutigen Welt „der Reichen und Schönen” recht ähnlich sieht. Davon ausgeschlossen scheint der bucklige Hofnarr Rigoletto, der in Verbitterung längst zum Menschenfeind geworden ist.

Nur seine junge Tochter Gilda liebt er über alles: Die 17-Jährige, gerade aus der Klosterschule entlassen, will er beschützen, vor allem vor dem leichtsinnigen Herzog, der allen möglichen Damen nachsteigt.

Entführungen, Verwechslungen und ein skrupelloser Auftragsmörder heizen Musik wie Libretto an. Wie in einem Thriller, so Dramaturg und Regisseurin, entwickle sich die wendungsreiche Handlung.

GMD Marcus R. Bosch arbeitet nach dem gemeinsamen Erfolg von „La Bohme” jetzt erneut mit Ewa Teilmans zusammen. Geradezu begeistert ist er von der „Idealbesetzung” mit dem russischen Bariton Igor Morosow (Rigoletto), Gast an den bedeutendsten Opernhäusern Europas, und Michaela Maria Mayer (Gilda), die vor drei Jahren in der Kritikerumfrage von „theater pur” als beste Nachwuchssängerin nominiert wurde und seit kurzem festes Ensemblemitglied am Theater Aachen ist.

Herausragend auch bewährte Kräfte wie Ykun Chung als Herzog, Woong-jo Choi als Monterone oder Pawel Lawreszuk als Killer Sparafucile ebenso wie M?lanie Forgeron und Iva Danova, die alternierend als Maddalena auftreten. Auf die Bühnengestaltung mit Spiegelungseffekten von Elisabeth Pedross darf man ebenso gespannt sein wie auf Petra Bongards Kostüme. „La Donna é mobile” (Ach wie so trügerisch...) wird sich wohl auch darin spiegeln. Dauer des Verdi-Abends: 150 Minuten inklusive Pause.