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Köln: Die „Stimme Schottlands” trifft ihre Fans ins Herz

Köln : Die „Stimme Schottlands” trifft ihre Fans ins Herz

Um kurz nach 21.30 Uhr wird es im Palladium richtig schön kuschelig. Womit nicht etwa die Temperaturen gemeint sind: Es waren die wunderbaren Minuten, in denen Amy Macdonald ein Akustik-Set offeriert. Schon bei den ersten Tönen von „Love Love” weiß man, warum die 25-Jährige auch „die Stimme Schottlands” genannt wird.

Ihr Gesang vereinigt Klarheit, Wärme und Kraft in sich, er birgt ein natürliches Timbre, beherrscht die Kunst, direkt ins Herz zu treffen und besitzt einen ganz eigenen Klang.

Da geht die Gefahr der Verwechslung gegen Null. 4000 Fans in der ausverkauften Halle vergessen in diesem Moment alle Unbill.

Den Sound, der eingangs „4th of July” und „Poison Prince” im Klangbrei ersaufen ließ. Die quälerische Anreise durch Deutz, wo sich zeitgleich 70.000 Menschen zu Kundgebung und Konzert bei „Arsch huh, Zäng ussenander” versammelten. Das Problem, einen Parkplatz zu finden, weil gegenüber, im E-Werk, auch Elektro-Schlager von Alexander Marcus für ein volles Haus sorgen. Und die enttäuschende Tatsache, dass man, ohne Großbildleinwände, von Macdonald und ihrer Band nicht allzu viel sieht.

Der unprätentiösen, noch immer sehr bodenständigen, Sängerin ist gelungen, was nicht allzu vielen Sängerinnen gelingt, die als Autodidaktinnen anfangen und den Durchbruch mit 19 Jahren, einer akustischen Gitarre und einem selbst geschriebenen Song erleben: Nachhaltigkeit zu erzeugen.

Die Stücke des dritten, im Juni erschienenen Albums „Life In A Beautiful Light” brauchen sich ebenso wenig vor dem 2007 veröffentlichten Debüt „This Is A Life” zu verstecken, wie die der zweiten Scheibe „A Curious Thing” (2010).

Im Gegenteil. Macdonald ist reifer, souveräner und variabler geworden. Im Palladium zeigen das Stücke wie „The Game” und „Slow It Down” oder „This Pretty Face” und „The Green And The Blue”. Es sind Stücke, zu denen man tanzen oder in denen man schwelgen kann, Stücke, die berühren, egal, ob man acht, 18 oder 48 Jahre alt ist.

Für das entsprechend gemischte Publikum wird so ein unvergesslicher Abend daraus. Kurz vor Schluss kommt dann noch, was kommen muss - jenes Lied, das die Schottin mit nur 17 Jahren ersann und das zum Titelstück ihrer ersten CD wurde. Es klingt jetzt anders - aber es reißt noch genauso mit.