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Aachen: Die Schuld für die Tat völlig akzeptiert

Aachen : Die Schuld für die Tat völlig akzeptiert

Zum zweiten Mal war der 37-jährige Versicherungskaufmann aus Alsdorf aufgefordert, vor dem Schwurgericht seine Lebensgeschichte bis zur Tat am 18. März diesen Jahres zu berichten. Da hatte er auf auf diejenige Frau eingestochen, ohne die er, wie er glaubte, fürderhin nicht mehr leben konnte.

Sie war seit dem Tod seines Vaters, der etwa vier Monate vorher gestorben war und mit dem der Angeklagte zusammen in einem Haus lebte, der Rettungsanker des psychisch labilen Mannes gewesen.

Als sich dann nach Weihnachten 2003 abzeichnete, dass die Beziehung wieder auseinander gehen werde, wollte der seit längerer Zeit arbeitslose und unter starken Depressionen leidende Angeklagte das nicht akzeptieren und begann einen Feldzug gegen seine Ex-Freundin. Sie „sei leider nicht bindungsfähig und überfordert” gewesen, erkannte er heute vor Gericht und nahm die alleinige Schuld für die Tat und die vorausgehenden Verfolgungen des Opfers gänzlich auf seine Kappe. Denn der Vorsitzende Richter Gerd Nohl hatte genau gefragt: „Geben sie dem Opfer ein Mitschuld?”

Beinahe wären die Folgen seiner Tat nicht gutzumachen gewesen. Sein Opfer arbeitetet als Ergotherapeutin in Aachens Klinik an der Rosenquelle, parkte meistens unter dem Eisenbahnviadukt an der Bachstraße.

Dort lauerte er ihr nach Arbeitsschluss gegen 16.50 Uhr an jenem 18. März auf, stritt sich wieder mit ihr und stach sie anschließend von hinten mit einem Fahrtenmesser nieder. Passanten beobachteten das Geschehen, sahen den Täter wegfahren und kümmerten sich geistesgegenwärtig um die am Boden liegende Frau.

Totschlag oder Körperverletzung?

Im ersten Verfahren konnte damals ein Mediziner aus dem Aachener Klinikum nicht mehr genau aussagen, ob der Stichkanal bis in den Brustkorb gegangen war. Wichtig deshalb, weil das Gericht zu entscheiden hat, ob der angeklagte versuchte Totschlag oder „nur” eine gefährliche Körperverletzung abzuurteilen ist.

Die Nebenklage verlangte ein weiteres Gutachten, das Verfahren wurde neu anberaumt. Das Urteil wird in der kommenden Woche erwartet.