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Aachen: Die sanfte Tiefe stiller Räume

Aachen : Die sanfte Tiefe stiller Räume

Sanfte Schichtungen, Bilder, die in ihrer unaufdringlichen Ordnung eine große Ruhe ausstrahlen: Die Flächenräume von Norvin Leineweber faszinieren in ihrer schlichten Perfektion. Für den „Raum für Kunst” der Sparkasse Aachen in der Elisengalerie (bis 10. März) hat Kuratorin Sabine Bücher diesen zurückhaltenden Künstler entdeckt, der in Rees am Niederrhein geboren wurde, in Düsseldorf studiert hat und seit 2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Plastik der RWTH ist.

Wenn er sich in sein Atelier zurückzieht, setzt er um, was er zunächst zeichnerisch entworfen hat. Dabei ist es sein Ziel, das „Wesen eines Raumes” zu ermitteln, mit Hilfe eines rhythmischen Musters den umgrenzten Raum in die Unendlichkeit zu führen.

„Früher habe ich mit verschiedenen Mustern experimentiert”, sagt der 40-Jährige, „aber ich wollte nicht ornamental werden. Ich habe mich mehr auf das Alltägliche konzentriert.” So schichten sich auf seinen Werken kleine und größere geometrische Formen und bilden geheimnisvolle Tiefen, deren Optik je nach Position des Betrachters im wechselnden Lichteinfall variiert. Manchmal ist nur noch ein Hauch zu sehen.

Hier hat Leineweber für sich einen weichen, dünnen Filz als Material entdeckt. Es sind zarte Flächen, die sich über- und ineinander schieben. Der Farbton, der an das sanfte Beige des Wüstensandes erinnert, sorgt zusätzlich dafür, dass hier nichts aufdringlich, nichts unruhig wirkt.

Dynamische Strukturen

Der Künstler verzichtet auf bunte Effekte. Auch die Rahmen bleiben hell. Die Nähe zu architektonischen Formen ist zwar da, aber Leineweber dynamisiert diese Strukturen, bringt sie in Bewegung, löst sie sogar auf in einem „bewegten Raumraster”, wie er es nennt. So „greifbar” diese Werke erscheinen, ziehen sie sich doch still zurück, um damit nur noch reizvoller zu werden.

Große Flächen erinnern an die Tradition der Gobelins und öffnen durch ihre perspektivische Wirkung den Raum. Die Schichtungen bewegen sich „über die Ecken” hinweg, werden an manchen Stellen unerwartet selbstständig und tauchen als „wandernde” Formen plötzlich wie aus dem Nichts auf.

Stehen, hängen, anlehnen - Zustände, die Leineweber spürbar machen möchte, Ordnungen, die er zugleich diagonal verschiebt. Denn sobald man glaubt, eine Linie, ein System in seinen Bildreliefs zu entdecken, öffnet sich schon wieder eine neue, andere Perspektive.

In seinen Serien zeigt Norvin Leineweber, wie unendlich und natürlich die Varianten der Räume sein können. Scharf durchdacht, sind sie doch von großer Naturnähe. Die Ausstellung folgt einer ausgeklügelten „Dramaturgie” vom etwas handfesteren Relief über die feinen Filzarbeiten bis zur weißen Form, die in Richtung Decke zu entschwinden scheint und damit den erkundeten und neu gestalteten Raum verlässt (geöffnet: Di., Do. bis Sa. 12-17 Uhr).