1. Kultur

Düsseldorf: Die Rückkehr des coolen Sound-Infernos: Daft Punk in Düsseldorf

Düsseldorf : Die Rückkehr des coolen Sound-Infernos: Daft Punk in Düsseldorf

Zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt ist das französisches Musik-Phänomen Daft Punk auf einer Bühne in Deutschland aufgetreten. Das Elektronik-Duo setzte mit einem Auftritt vor rund 2500 Menschen in der Düsseldorfer Philipshalle am Freitagabend sein mysteriöses Wirken fort.

Kaum jemand kennt die Gesichter und Stimmen von Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem Christo. Sie lassen sich nicht unmaskiert fotografieren und lehnen jeden Personenkult ab, nehmen den Leitsatz aus der Gründungszeit der elektronischen Musik weiterhin Ernst: „Die Musik ist der Star.”

Mit ihrem coolen Sound-Inferno hat das Pariser House-Duo 1997 international für Furore gesorgt. Sie brachten den Funk in die harten House-Rhythmen, schufen den „French House” mit. Ihr Debütalbum „Homework”, eine Tüftelei aus dem zum Studio umfunktionierten Schlafzimmer Bangalters, verkaufte sich weltweit zwei Millionen Mal, für diese Musikrichtung war damit eine Schallmauer durchbrochen. Geschichte schrieben auch die oft prämierten Musikvideos von „Daft Punk” : Mit „Around the world” ließen sie Tänzer als Skelette herumturnen.

Im „Da Funk” -Video ließen sie die Geschichte eines Ketchup-Flecks im Zeitraffer Revue passieren, mit dem sich ein Polizist besudelt, der gerade eine illegale Party auflöst. Eine Anspielung auf die damaligen Bestrebungen der französischen Regierung, Rave-Partys zu verbieten. Als französische Spitzenpolitiker später ihren Hit „One more Time” für Wahlkampagnen nutzten, intervenierte das Duo.

Auch auf der Bühne ist das Wirken der DJs beinahe gänzlich auf die Musik reduziert. Kaum Gesten, keine Worte zum Publikum, das nicht einmal sieht, ob die Franzosen mit Keyboards oder Turntables arbeiten. Roboterstimmen, eine fein ausgeklügelte Licht-Choreografie und ein satter, extrem lauter Klangteppich prasseln auf das Publikum ein. Auch damit folgt Daft Punk der elektronischen Tradition, wie sie in Düsseldorf von den Pionieren der Gruppe Kraftwerk in Szene gesetzt wurde.

Bevor die Franzosen ihre Computer aufdrehen, stimmen sie die Zuhörer mit Reminiszenzen an die Beastie Boys und Fatboy Slim ein. Dann ertönt ein Schulgong aus den 80er Jahren, vielleicht der erste synthetische Klang, der sich in das Gedächtnis der beiden Musiker eingeprägt hat. Begonnen hatten Bangalter und Homem-Christo als Punk-Musiker. Nachdem ein englischer Kritiker ihre Musik als „daft punk”, blöde Punk-Musik, verrissen hatte, hängten sie ihre Gitarren an den Nagel, wechselten das Fach, behielten aber das wenig schmeichelhafte Etikett als neuen Band-Namen.

Das Publikum tanzt weniger ausgelassen als vor zehn Jahren, richtet dafür hunderte Handy-Kameras auf die Bühne. Nach eineinhalb Stunden verließen die beiden behelmten Musiker in ihren schwarzen Anzügen umjubelt die Bühne. Eigentlich gehören die beiden DJs in die Clubs - aber wer zahlt dort schon 42 Euro für ein so kurzes Set?

„Human After All” heißt ihr neues, teilweise experimentelle Album, an dem sich die Geister scheiden. Von der schmutzigen Reanimation der weltweit kriselnden Clubmusik bis zum „Wimmern liebeskranker Roboter” reichen die Kommentare. Am Samstag waren die Franzosen noch im Berliner Velodrom zu hören, bevor sie das Land wieder gänzlich unerkannt verlassen konnten.