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Bonn: Die Rock-Legende zaubert immer noch: Jethro Tull in Bonn

Bonn : Die Rock-Legende zaubert immer noch: Jethro Tull in Bonn

„Der Tod mag winken, aber der Ruhestand ist noch lange nicht in Sicht”, hat Ian Anderson (55) mal gesagt.

Nach mehr als 2500 Konzerten in über 40 Ländern, nach über 60 Millionen verkaufter Alben und nach 35 Jahren, in denen rund 250 Songs entstanden sind, könnten sich der Schotte und seine Band eigentlich ruhigen Gewissens aufs Altenteil zurück ziehen.

Donnerstagabend in Bonn, beim Auftakt zur „Living With The Past Tour 2003” in Deutschland, bewies Ian Anderson, dass er ein Mann ist, der zu seinem Wort steht: „Jethro Tull” sind zum Sterben noch viel zu jung und für Rock n Roll noch längst nicht zu alt.

Knapp zwei Stunden dauert das Open-Air-Konzert auf der Museumsmeile. Die Fans zwischen 15 und 55 sind zahlreich, Platz bleibt trotzdem genug.

Mit seinem eng anliegenden Kopftuch, der offenen Weste überm langen Hemd und dem Gürtel, der ein schon recht pralles Bäuchlein schnürt, mag Anderson zwar aussehen wie ein gealterter Pirat, aber der Flötenvirtuose versteht sein Handwerk nach wie vor.

Er schiebt, schraubt und stößt die Töne hervor, schichtet sie aufeinander, schleudert sie in die Luft, wie ein Zauberer seine Karten, und lässt sie dort, in kunstvollen Arabesken und anmutigen Figuren tanzen.

Auch Martin Barre (Gitarre), neben Anderson der einzige, dem die vielen Umbesetzungen der Band nichts anhaben konnten, zeigt keinerlei Ermüdungserscheinungen, sondern ist, im Gegenteil, zu immer neuen Späßen mit Anderson aufgelegt.

Der Titel der Tour „Living With The Past” ist Programm: Ganz alte Stücke wie „Someday The Sun WonÔt Shine” oder „Fat Man” stehen neben neuen wie „Eurology” oder „Dot com”, wobei die alten Stücke frisch improvisiert klingen und die neuen (in grundlegenden Elementen) sehr vertraut.

„Jethro Tull” ist eine Rock-Legende, die nicht in der Vergangenheit lebt, sondern mit ihr. Die Band tut das, was viele Kollegen ihren Fans verweigern oder nur mit Murren absolvieren: ihre Klassiker spielen.

Von 1968 bis heute geht die musikalische Zeitreise, und siehe da: die Mischung aus Folklore, Klassik und Rock n Roll, die „Jethro Tull” so unverwechselbar gemacht hat, zieht noch immer.