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Köln: Die pulsierende Zeit der „Schönen Epoche”

Köln : Die pulsierende Zeit der „Schönen Epoche”

„Zugleich spöttisch, ironisch, zärtlich, naturalistisch, realistisch, religiös, mystisch, christlich, heidnisch, anarchistisch, republikanisch, reaktionär”, so charakterisiert der Theatermann, Schriftsteller und Chronist Maurice Donnay den Geist, der seit Anfang der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts auf dem Montmartre herrschte.

Im 1860 neu entstandene Stadtbezirk mit seinen Cafés, Cabarets und Tanzlokalen schlug nicht nur das vergnügungssüchtige Herz von Paris, sondern es bot auch Zuflucht für Künstler, Dichter oder Maler und war fruchtbarer Nährboden für die umwälzenden Ideen von Anarchisten, Arbeitern und Weltverbesserern.

Jenes „Pariser Leben” zur pulsierenden Zeit der „Belle Époque” („Schöne Epoche”) ist Thema der gleichnamigen großen Doppel-Ausstellung von Wallraf-Richartz-Museum und Käthe-Kollwitz-Museum.

In den Mittelpunkt stellen beide Häuser die Stadt der Städte und ihre Menschen. Während sich das Wallraf-Richartz-Museum mit Handzeichnungen und Druckgrafiken von Manet bis Toulouse-Lautrec auf den Zeitraum von 1860 bis 1910 konzentriert, nutzt das Käthe-Kollwitz-Museum die beiden Pariser Weltausstellungen 1989 und 1900 als symbolischen Rahmen um Toulouse-Lautrec als Lithografen vorzustellen, aber auch die Bewegung der Farblithografie nachzuvollziehen.

Mehr als 170 Exponate im Wallraf-Richartz-Museum und rund 120 weitere im Käthe-Kollwitz-Museum ergänzen einander und nehmen aufeinander Bezug. Kurator Uwe Westfehling leistet sich den Luxus, die Ausstellung weder nach Künstlern noch nach Kunstströmungen gruppiert zu präsentieren, sondern nach Lebensbereichen.

So erlebt der Besucher Paris als „Stadt der Gegensätze” - hier die düstere Kreidezeichnung eines Théophile Alexandre Steinlen, der gegen 1903 „Arbeiter vor der Löhnung” mit abgehärmten, starren Gesichtern zeigt, dort die in schaumig-weiße Spitze gehüllte verwöhnte „Dame in einer Droschke”, um 1905 von Edgar Cahine als elegantes Porträt inszeniert - oder als „Stadt der Frauen”: küssend, schlafend oder sich kämmend, als Kindfrau, Kokotte oder Künstlerin, Mutter, Mädchen oder Männerfantasie.

Die Auswahl der Exponate versammelt zwischen Edouard Manet und Henri Toulouse-Lautrec illustre Künstlerpersönlichkeiten, darunter Paul Cézanne, Edgar Degas und Paul Gauguin, Camille Pisarro, Auguste Rodin und Pablo Picasso.

Während diese Präsentation von Stadtansichten und Porträts über Plakate und Illustrationen bis hin zu Architekturentwürfen reicht, setzt das Käthe-Kollwitz-Museum ganz und gar auf die „Sternstunde der Lithografie”, die einst als rein kommerziell galt, ehe sie um 1890 alle Bereiche des Alltags und der Kunst eroberte.

Zu sehen sind nicht nur die berühmtesten Plakate von Toulouse-Lautrec, sondern auch Entwürfe seiner Zeitgenossen.

Öffnungszeiten, Dauer und Eintritt

„Pariser Leben 1”, Wallraf-Richartz-Museum-Fondation Corboud, Martinstr. 39.

5. November bis 8. Januar.

Geöffnet: Di. 10-20 Uhr, Mi.-Fr. 10-18 Uhr, Sa./So. 11-18 Uhr.

Eintritt: 7 Euro, erm. 4,50 Euro.

Katalog: 29, 90 Euro.

„Pariser Leben 2”, Käthe-Kollwitz-Museum, Neumarkt, Passage.

4. November bis 29. Januar.

Geöffnet: Di. 10-20 Uhr, Mi.-Fr. 10-18 Uhr, Sa./So. 11-18 Uhr.

Eintritt: 3 Euro, erm. 1, 50 Euro.

Katalog: 216 Seiten, 25 Euro.