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Aachen: „Die Perser”: Tiefer Griff in die Regale der Zeit

Aachen : „Die Perser”: Tiefer Griff in die Regale der Zeit

Der Generalintendant als Regisseur: Paul Esterhazy hat es sich zur Aufgabe gemacht, im aktuellen Spielplan stets neue Musik zu berücksichtigen.

Der Kontakt zu Klaus Lang, dessen Musiktheater „Die Perser” nach der griechischen Dichtung des Aischylos am kommenden Samstag, 14. Juni, 19.30 Uhr, im Großen Haus uraufgeführt wird, besteht bereits seit gut vier Jahren.

Jetzt war es sein Ziel, Lang zu einer abendfüllenden Komposition zu animieren. Da Esterhazy jedoch Langs Vorliebe für Extrempositionen kennt, war man sich rasch einig: Das älteste erhaltene Drama der Theatergeschichte trifft auf radikal gegenwärtiges Komponieren.

Die vorgegebene Struktur ist archaisch streng. Statt einer Handlung wird ein atmosphärisches Konstrukt geschaffen, bei dem man keinen zusammenhängenden Text, sondern eher eine „Auflistungen”der Sachverhalten hört. Der Zugang zum Stück ist „pragmatisch”. Esterhazy sieht seine Inszenierung als Projektion jener Gedanken, die Lang in der umfänglichen Partitur ausdrückt.

Gleiches gilt für Orchester und Bühnenbild. „Wichtig ist das Aufheben aller Erwartungen”, meint Jeremy Hulin, musikalischer Leiter der Produktion. „Eine dramatisch aufgebaute Passage etwa erfährt nicht unbedingt eine Auflösung, wie bei einem klassischen Komponisten.”

Keine leichte Arbeit für das Orchester, das immer wieder zwischen Über- und Unterforderung pendelt, das manchmal einen einzigen anhaltenden Ton, dann wieder eine komplizierte Kaskade zu spielen hat. Esterhazy hat hierfür ein Bild gefunden: „Wie fühlt sich ein Punkt auf einem Bild der Pointilisten - mies!” Der ungünstige Platz, um die Wirkung der „Perser” zu erfahren sei eindeutig mitten im Geschehen.

Nah hat Bühnen- und Kostümbildnerin Pia Janssen die Akteure an den Orchestergraben herangerückt und sie so miteinander verbunden. Sie setzte die Struktur der Verschachtelung im „Regal”-Stil des Bühnenbildes fort, das nur 1,50 Meter Tiefe hat. „Das schmalste Bühnenbild, das wir je hatten.”

Wie in einem antiken Fries werden die Bilder aneinander gereiht. Eine graue Patina liegt auf Dingen und Menschen - antiker Staub und der Staub aus Katastrophen unserer Tage. Esterhazy sieht auch hier die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart. Rund 90 Minuten (ohne Pause) dauert das Ganze inklusive einer Einführung.