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Aachen: Die Menge der Unfälle gibt Experten Rätsel auf

Aachen : Die Menge der Unfälle gibt Experten Rätsel auf

Die Polizei steht wegen der gehäuften Verkehrsunfälle in unserer Region vor Rätseln. Erst diesen Montag wurde in Alsdorf eine 50-jährige Motorrollerfahrerin von einem Lkw überrollt. Zuvor verbrannte ein junger Mann in Linnich bei vollem Bewusstsein in seinem Auto.

Auf einer Landstraße Richtung Eschweiler starb eine junge Frau, nachdem sie bei einem Frontalzusammenstoß mit einem Lkw in ihrem Auto eingequetscht worden war. Die Liste lässt sich fortsetzen.

Diese Häufung gibt auch den Experten Rätsel auf. Genaue Zahlen gibt es noch nicht, die offiziellen Verkehrsunfallzahlen 2007 für das Land NRW werden erst in Kürze publik gemacht. Doch landauf, landab bestätigen die Polizeibehörden: Ja, es gibt eine Häufung von tödlichen Verkehrsunfällen. Häufig betroffen: die jungen Autofahrer bis 24 Jahre. Warum das so ist, darüber kann nur gemutmaßt werden.

„Fakt ist, dass die üblichen Faktoren wie Raserei oder Drogen und Alkohol keine auffällige Rolle spielen”, sagt der Aachener Polizeisprecher Paul Kemen. Karl-Heinz Frenken, Sprecher der Kreispolizeibehörde Heinsberg, sieht es ähnlich: Es gebe eine erschreckende Häufung tödlicher Verkehrsunfälle, die man aber allesamt nicht an den üblichen Faktoren festmachen könne. Frank Schulz von der Kreispolizeibehörde Düren bestätigt ebenfalls den schlimmen Trend. „Bei uns gab es im Januar 2007 einen Verkehrstoten. In diesem Januar waren es drei.”

Und auch von unseren niederländischen Nachbarn kommt die Bestätigung: Ja, es gibt seit etwa vier oder fünf Monaten viel mehr Tote im Verkehr. Dort stieg die Zahl der Verkehrstoten im Jahr 2007 im Vergleich zu 2006 um 30 Prozent auf 69, wie der regionale Verkehrssicherheitsrat Limburg (ROVL) bekanntgab.

Selbst ausgemachte Verkehrsexperten sind ratlos. Rolf Reiners, Leiter der Dekra-Niederlassung Aachen, macht sich Sorgen: „Was wir gerade sehen, ist wirklich außergewöhnlich. Ich verstehe allerdings auch nicht, warum das so ist.” Seit dem vergangenen Sommer gebe es statistisch belegbar „ein echtes Problem. Mittlerweile sehen wir wieder Unfälle, die wir schon längere Zeit nicht mehr in dieser Heftigkeit gesehen haben”.

Rätselraten herrscht unter den Experten vor allem, weil die Unfallzahlen seit Jahren rückläufig waren und einen historischen Tiefstand im Jahr 2006 erreichten. „Damals kamen die ganzen Entwicklungen zum Tragen, die die Autos und den Verkehr von heute so sicher machen”, sagt Reiners. Damit meint er Fahrassistenz-Systeme wie ABS und ESP, aber auch Straßen, die immer mehr entschärft werden. „Alleine die vielen Kreisverkehre, die heute Kreuzungen entschärfen, an denen es früher häufig gekracht hat, haben eigentilch schon eine Menge gebracht.”

Auch beim Landesinnenministerium ist der tödliche Trend erkannt; bislang kann sich auch dort allerdings niemand einen Reim darauf machen. „Nur mit der Statistik werden wir da auch nicht weiterkommen”, erklärt der Ministeriumssprecher. Helfen dürfte der Rat der Polizei: immer vorsichtig fahren.