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Maastricht: Die magischen Geigen der Troubadoure

Maastricht : Die magischen Geigen der Troubadoure

Kunstfreunde, Musikliebhaber und Geigenspezialisten schauen vom 4. bis 13. März nach Maastricht.

Mit dem Projekt „Amati 500” wird dort der weltbe-rühmte italienische Geigenbauer Andrea Amati geehrt, der vor rund 500 Jahren in Cremona geboren wurde.

Im Rahmen der diesjährigen TEFAF (The Europan Fine Art Fair) veranstaltet das 1992 gegründete Amati-Ensemble mit der Amati-Stiftung ein vielseitiges Aus- und Vorstellungsprogramm, das mit zwei Gala-Aufführungen am 6. und 7. März im Theater aan het Vrijthof eine besondere Kostbarkeit bereithält: eine Kammerorchester-Besetzung von 17 Musikern spielt auf Original-Instrumenten der Amati-Familie unter der Leitung des israelischen Geigenvirtuosen Gil Sharon.

Streng geheim

Das Programm ist noch streng geheim. Sharon selbst darf eine Leihgabe des Palazzo Communale aus Cremona zum Klingen bringen: die „Carlo IX. Violine”, die Katharina di Medici 1566 für den Kunstgenuss am französischen Königshofe ihres Sohnes Charles IX. bei Andrea Amati in Auftrag gab.

Ebenfalls in dieser Gala zu hören sind die „Hammerle”- Violine von Nicolo Amati aus dem Jahre 1658 und die 1615 gebaute „Stauffer”-Bratsche von Antonio und Girolamo Amati. Der Konzertabend am 6. März ist bereits ausverkauft.

Die Instrumente, mit denen sich die Troubadoure im Mittelalter begleiteten, waren meist eigene Erfindungen.

Die Viola da Gamba, die zwischen den Knien gehalten wurde, und die Viola da Braccio, die ein Bogenstrich zum Klingen brachte, waren die Vorfahren der Geige, die Andrea Amati in der heute noch üblichen „modernen” Form entwickelte.

Andrea vererbte sein Wissen an seine Söhne Antonio (1534-1588) und Girolamo (1561-1630). Dessen Sohn Nicola (1596-1684) führte die Cremoneser Geigenbauerkunst zu unumstrittener Blüte.

Aus seiner Schule kamen Meister ihres Fachs wie Andrea Guarneri und Antonio Stradivari, die auf der Basis von Amatis Wissen eigene Klangfarben und Kunstfertigkeiten entwickelten.

Gerne wird ein Vergleich zu Hilfe gezogen, wenn Geigenspezialisten einem Laien den Unterschied zwischen einer „Amati” und einer „Stradivari” erklären: „Ein Amati-Streichinstrument klingt lieblich und sensibel wie der Tenor von José Carreras und ist prädestiniert für die Kammermusik. Eine Stradivari ist dagegen der strahlende âPlacido Domingo unter den Geigen.”

Neben den Galakonzerten ist auch das weitere Programm bemerkenswert: das Internationale Geigenbauer-Forum bietet am 5. März eine Vortragsreihe renommierter Amati-Spezialisten wie Serge Stam und Amnon Weinstein um 17 Uhr im Bonnefanten-Museum an.

Diese beiden Rezensenten betreuen ebenfalls am 5. März um 10.30 Uhr ein Jugendprojekt in der „Bonbonnière” mit der Bearbeitung von Cremonas Geschichte und der Bedeutung der Amati-Familie für Norditalien.

Im Vrijthoftheater ist eine Fotoausstellung von Ezio Quiresi vom 4. März bis 19. April zu dem Thema „Cremona 1930-1950” zu besichtigen.