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Alsdorf: Die Kohle-Ära blüht wieder auf

Alsdorf : Die Kohle-Ära blüht wieder auf

Der düstere Saal sieht aus, als wären die Kumpel erst vor kurzem gegangen. Der Putz an den Wänden bröckelt. Von der Decke baumeln zahllose dünne Ketten, exakt parallel wie zu einem mechanischen Kunstwerk arrangiert. Zu diesem Eindruck von Ordnung tragen auch die kleinen Drahtkörbe unter der Decke bei. Sie sind leer - und das schon seit Jahrzehnten.

Bis 1992 zogen sich in dieser Waschkaue die Bergleute um, bevor sie unter Tage einfuhren, um Kohle zu fördern. Nach der Schicht wieder oben angekommen, wuschen sie dort ihre geschwärzten Körper.

„Der Bergbau wird an authentische Orte zurückgebracht”, wurde Helmut Klein, Bürgermeister der Stadt Alsdorf, am Freitag zur Eröffnung eines interessanten Ausstellungsprojekts fast euphorisch.

Drei renommierte Fotografen zeigen in dem Kauengebäude Werke, die sich allesamt mit dem „Grubengold” beschäftigen. Diese starken Schwarz-Weiß-Aufnahmen rufen eine Ära in die Erinnerung zurück, die die gesamte Region, das ehemalige Aachener Steinkohlerevier, über Jahrhunderte geprägt hat.

Am engsten vertraut mit dem Werden und Vergehen der Schachtanlagen in Alsdorf ist der Aachener Künstler Algirdas Milleris, in Litauen geboren. Er war auf der damaligen Zeche „Anna” im Herzen der Stadt mit seiner Kamera schon unterwegs, als sie noch in voller Blüte stand. Jahr um Jahr ist er an „seinem” Thema drangeblieben, hat spektakuläre Bildbände herausgegeben und zahlreiche Ausstellungen präsentiert.

Bergbaumotive aus seiner oberschlesischen Heimat zeigt der Pole Dariusz Kantor, der mittlerweile in Herne, mitten im Ruhrgebiet, lebt. Und aus der niederländischen Hauptstadt Den Haag stammt Leo van der Kleij, der sich mit seinen Industrieaufnahmen sogar schon in Japan einen guten Namen machen konnte. Ergänzt wird der spannende Bilderbogen der Profis durch die Fotoserie „Spurensucher” einer Schülergruppe des Berufskollegs Alsdorf: Sie hat Überreste des Bergbaus festgehalten.

Die Werke der drei Fotografen werden unter dem Titel „Energiereich Bergbau” gezeigt. Organisiert worden ist die Ausstellung von Birgit Godehardt, der Geschäftsführerin des im Aufbau befindlichen „Kompetenzzentrums Energeticon”, und ihrem Team.

Zahlreiche weitere Mosaiksteine gehören zum Kulturkonzept. So zeigt das Projekt „Wer bist Du?” Porträts ehemaliger Bergarbeiter, deren Identität unbekannt ist und deren persönliche Geschichte die Besucher rekonstruieren sollen.

Was fasziniert Fotografen am Bergbau, dass sie sich teils schon Jahrzehnte mit diesem Thema beschäftigen? „Wenn man einmal etwas von diesem ,Fieber mitbekommen hat, geht das nicht mehr aus dem Blut”, sagt van der Kleij. Seine Kollegen nicken dazu.

Die Ausstellung „Energiebereich Bergbau - Identität, Ort, Reise” ist vom heutigen Samstag an bis Sonntag, 28. Juni, zu sehen. Sie wird in der weitgehend im Originalzustand erhaltenen Kaue des ehemaligen Steinkohlenbergwerks Anna II in Alsdorf gezeigt (Konrad-Adenauer-Allee 7).

Die Öffnungszeiten: donnerstags und freitags von 15 bis 19 Uhr, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung (02404/59911-0, Fax 02404/59911-19, info@energeticon.de.