Aachen: „Die im Dunkeln“ und wie der Fluxus nach Aachen kam

Aachen : „Die im Dunkeln“ und wie der Fluxus nach Aachen kam

„Die im Dunkeln sieht man nicht“, sagt Bert Brecht — und dabei hat er garantiert nicht an das Museumswesen gedacht, wo viele Menschen tatsächlich im Hintergrund wirken, um grandiose Ausstellungen zu präsentieren — allein: Sie werden bestenfalls gerade mal mit Namen genannt, die Damen und Herren „Kuratoren“.

Doch welch unendliche Arbeit steckt heute hinter dem musealen „Sich sorgen um“, wovon der Name aus dem lateinischen „curare“ abgeleitet ist. Zu Recht ans Licht geholt hat die Helga-Pape-Stiftung Jens und Helga Howaldt aus Hannover nun in Aachen drei dieser Exemplare verdienter Kuratoren, die sonst eher wieder einmal im „Dunkeln“ geblieben wären: Brigitte Franzen, ehemalige Direktorin des Ludwig Forums, ihr Nachfolger Andreas Beitin und Holger Otten für ihre herausragende Ausstellung „Mies van der Rohe. Die Collagen aus dem MoMA“. Ihnen wurde am Donnerstagabend im Ludwig Forum der mit 5000 Euro dotierte Justus-Bier-Preis für Kuratoren verliehen. Die Laudatio hielt der Jury-Vorsitzende Stephan Berg, Intendant des Kunstmuseums Bonn.

Feierliche Preisverleihung: (v.l.) Stifter Jens Howaldt, die Kuratoren Andreas Beitin, Brigitte Franzen und Holger Otten sowie der Jury-Vorsitzende Stephan Berg, Intendant des Kunstmuseums Bonn.

Berg lobte erst einmal die „Senke“ in der Mitte des Ludwig Forums, die „geistig inspirieren“ würde als ein „wunderbarer Ort“, um sodann die „wissenschaftliche Gründlichkeit“ der drei Aachener Kuratoren zu würdigen. Und er gratulierte für eine herausragende Arbeit als Vorbereitung einer Ausstellung, bei der eben nicht wieder einmal auf die heutzutage scheinbar unvermeidlichen Quoten einer Blockbuster-Show gezielt wurde.

„Wir sind geleitet von der Idee forschenden Kuratierens“ erklärte Brigitte Franzen in ihrer Dankesrede, und Andreas Beitin gab zum Ausdruck, mit welch großer Begeisterung er die Realisierung des Projektes für seine Vorgängerin übernommen und zu Ende geführt habe.

Im Anschluss an die kleine Feier ging es hinauf in die Ausstellung „Valdis boliš und wie Fluxus nach Aachen kam“. Die Schau mit zahlreichen Dokumenten, Bildern und Filmen ist ein Vorgeschmack auf die große Ausstellung „Flashes of the Future. Die Kunst der 68er oder Die Macht der Ohnmächtigen“, die am 19. April eröffnet wird. Jetzt wird zunächst einmal das Porträt eines Mannes gezeichnet, der als Kulturreferent des Astas an der TH Aachen am 20. Juli 1964 die geballte Avantgarde — von Joseph Beuys bis Wolf Vostell — zu jenem legendären Fluxus-“Festival der Neuen Kunst“ ins Aachener Audimax geholt hatte, bei dem Beuys sich eine blutige Nase holte.

Der Lette boliš war selbst Künstler und organisierte viele weitere avantgardistische Ausstellungen, Aktionen und Happenings. Kurator Benjamin Dodenhoff und seine lettische Kollegin Ieva Astahovska präsentieren zahlreiche Originaldokumente und sogar filmische Szenen vom Fluxus-Fest im Audimax. Zu sehen bis zum 19. August.

(eho)