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Rom/Engelsdorf: Die Heilige Teresa in der Nische

Rom/Engelsdorf : Die Heilige Teresa in der Nische

Gesegnet ist sie nun, vom Papst höchstpersönlich, und hat ihren Platz auf ewig am Petersdom gefunden. Am Mittwochmorgen setzten zwei Kräne die von Juan Fernandez in Engelsdorf geschaffene Statue der heiligen Teresa in eine der letzten freien Nischen an der Außenapsis der Vatikan-Basilika.

Ein Jahr lang hat der 65-jährige deutsch-chilenische Künstler an der über fünf Meter hohen und 22 Tonnen schweren Skulptur aus Carrara-Marmor gearbeitet. Sie stellt Santa Teresa de Jesus de los Andes dar. Die chilenische Karmeliternonne starb 1920 im Alter von nur 19 Jahren an Typhus. Ganze elf Monate zuvor war sie in ein Kloster eigetreten.

Nach ihrem Tod wurde ihr Tagebuch gefunden, in dem sie seit ihrer Kindheit ihre innige Liebe zu Gott beschrieben hatte. Das gab offenbar auch dem Künstler die Idee für die Form der Statue und den Namen, den Juan Fernandez ihr gegeben hat: „La Enamorada”, die Verliebte. Santa Teresa wurde 1993 heilig gesprochen, als erste Chilenin überhaupt.

„Emotionale Erfahrung”

„Es war für mich eine ganz besondere emotionale Erfahrung”, sagte Juan Fernandez bei der Segung seines Kunstwerks durch den Papst. Johannes Paul II. hatte die Zeremonie unter strahlendem römischen Himmel von einem offenen Jeep aus vorgenommen. Zahlreiche Bekannte der Familie Fernandez, ein Dutzend Engelsdorfer und weitere Interessierte aus ganz Deutschland nahmen daran teil.

Den außerordentlich ehrenvollen Auftrag zur Schaffung des Kunstwerks hatte Juan Fernandez vor anderthalb Jahren über eine Ausschreibung der chilenischen Botschaft beim Vatikan erhalten. Den ursprünglich 65 Tonnen schweren Marmorblock wählte der Künstler aus einem der besten Steinbrüche in Carrara aus, wie weiland schon Michelangelo.

Anders als dieser bestand Fernandez, der seit 1978 in Deutschland und seit einigen Jahren in Engelsdorf lebt, darauf, den Marmor nicht vor Ort, sondern in seinem Atelier zu behauen. „Hier in meinem Atelier sind genau die Atmosphäre und das Milieu, wo die Bedeutung der Kunst ernst genommen wird”, sagte er damals.

Gewichtiges und kostbares Werk

Recht aufwändig hatten sich auch die Verladung und der Transport der Statue gestaltet. Am 20. September war das gewichtige und kostbare Werk fast einen Tag lang von zwei Spezialkränen aus dem Atelier, einem Zelt des Künstlers gezogen, in eine exakt angepasste, rundum mit Holz und Kunststoff schützende Verpackung gelegt und sodann in einen Container verladen worden. Am Nachmittag endlich konnte sich dann der Fahrer des Alsdorfer Unternehmens Plum auf die 1600 Kilometer lange Reise mit seiner heiligen Fracht auf dem Tieflader begeben.

Entsprechend vorsichtig und wiederum mit zwei Kränen wurde das Bildnis der Santa Teresa des Jesus de los Andes auf ihren endgültigen Platz gestellt, den man sich würdiger kaum vorstellen kann: Michelangelo selbst hat die Nische an der Außenwand des Vatikan selbst geschaffen.