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Düsseldorf: „Die Güte des Menschen gespiegelt”: Aachener Künstlerin malt Raus Porträt

Düsseldorf : „Die Güte des Menschen gespiegelt”: Aachener Künstlerin malt Raus Porträt

Der frühere nordrhein-westfälische Regierungschef und Bundespräsident Johannes Rau ist seit Freitag mit einem Porträt in der Ministerpräsidentengalerie der Staatskanzlei verewigt. Ein Jahr nach Raus Tod enthüllte Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) das Bild, im Beisein der Witwe Christina Rau, in seinem Düsseldorfer Amtssitz.

Das in Öl gemalte offizielle Porträt des populären SPD-Politikers wurde von der Aachener Künstlerin Janet Brooks-Gerloff geschaffen. „Die Güte und Freundlichkeit des Menschen Johannes Rau werden in dem Bild gespiegelt”, sagte Rüttgers. Rau war am 27. Januar 2006 nach schwerer Krankheit gestorben.

Gefasst aber bewegt betrachtete Christina Rau das in gedeckten, hell anmutenden Farben gemalte Bildnis ihres Mannes. „Es gefällt mir, wie er einen anzusehen und - ganz bei der Sache - zuzuhören scheint”, stellt sie bei der Betrachtung des Gemäldes mit schräg geneigtem Kopf fest. Aber etwas fehlt. „Das Blitzen in den Augen kann man nicht malen.” Dafür lässt sie sich von der Künstlerin überzeugen, dass der Ehering im Bild nicht vergessen wurde, sondern an Raus gefalteten Fingern golden hervorscheint.

Das Bild zeigt Rau an seinem Schreibtisch sitzend - mit aufmerksamem Gesicht und ernstem Blick aus blauen Augen - dem Betrachter zugewandt. Im Hintergrund sieht man ein Bücherregal. „Das Buch gehört ins Bild dieses Politikers”, unterstreicht Rüttgers im Kreis der angereisten Familienmitglieder und zahlreichen ehemaligen Kabinettskollegen von Johannes Rau. Der Sohn eines Wuppertaler Laienpredigers sei stolz darauf gewesen, den Beruf des Verlagsbuchhändlers gelernt zu haben.

Als weiteres Markenzeichen für den „Menschenfischer” ist im Bild Briefpapier auf dem Schreibtisch unter seiner Brille festgehalten. Rau galt als ebenso passionierter wie disziplinierter Briefeschreiber, der stets versuchte, so viele Zuschriften wie möglich persönlich - und mit dem Füller - zu beantworten. „Die Handschrift von Johannes Rau ist ein Stück Gegenwartskunst”, schwärmt Rüttgers.

Dabei sei das Verhältnis der ehemaligen NRW-Wissenschaftsministers Rau zur Gegenwartskunst durchaus kein einfaches gewesen, schmunzelt der Ministerpräsident. Rau hatte 1972 den damaligen Düsseldorfer Kunstprofessor Joseph Beuys entlassen, nachdem der zusammen mit Studenten eine Protestaktion für den freien Zugang zum Kunststudium durchgeführt hatte. Ihr Mann sei später aber sehr angetan gewesen, „dass Beuys im Gespräch mit ihm immerhin den Hut abnahm”, erzählt seine ihm schwarzen Hosenanzug erschienene, schmale Witwe.

Zwei von Raus Kindern sind ebenfalls gekommen, um das Porträt ihres Vaters in Augenschein zu nehmen, Anna Christina (23) und Philipp Immanuel (22). „Er wollte sich nie malen lassen. Jetzt kann er sich nicht mehr wehren”, greift Raus früherer grüner Kulturminister Michael Vesper eine seit Jahren in der Landeshauptstadt kolportierte Geschichte auf. „Das stimmt nicht”, widerspricht Christina Rau. „Er hat sich nie die Zeit genommen”, und fügt milde lächelnd hinzu: „Er hätte es tun sollen.”

Tatsache ist, dass Rüttgers das Bild nach Raus Tod in Auftrag gegeben und die Künstlerin ausgesucht hat, die gezwungen war, von Fotos zu malen. „Die persönliche Begegnung hat mit gefehlt”, erzählt die gebürtige Amerikanerin, die schon zahlreiche Politiker porträtiert hat.

Raus Bild wird einen Ehrenplatz in der Staatskanzlei im „Düsseldorfer Stadttor” erhalten, in der er selbst nie regiert hat. Den Umzug aus der alten Regierungs-Villa am Rhein in das gläserne Nobelmietshaus, den sein Nachfolger Wolfgang Clement (SPD) angeordnet hatte, soll er nie gebilligt haben.

Bislang hängen in der „Ahnengalerie” fünf der acht ehemaligen Ministerpräsidenten. Nach Heinz Kühn hatte sich zunächst keiner mehr malen lassen. Kühn musste nun vom besten Platz im Licht durchfluteten Eingangssaal weichen. Sein Porträt wurde um die Ecke gehängt, um für seinen Amtsnachfolger Platz zu machen. In Kürze sollen auch die Porträts von Clement und Peer Steinbrück (SPD) enthüllt werden.

Vor dem Mittagessen im Kabinettssaal bedankt sich Christina Rau bei den vielen Freunden im Saal - darunter Raus langjähriger politischer Weggefährte, Ex-Innenminister Herbert Schnoor (79). „Ich freue mich, umgeben von Menschen zu sein, die sich gerne an ihn erinnern.”