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Aachen: Die Flucht kostete 5000 Euro

Aachen : Die Flucht kostete 5000 Euro

In dem jetzt zum Abriss leergeräumten Gefängnisbau hinter dem Gerichtsgebäude am Adalbertsteinweg gelang im September 2003 eine Flucht, die simpler nicht sein konnte. Mit von der Partie war ein 31-jähriger Wärter.

Seine Vorliebe für Koks und der Ärger über die Mobbing-Attacken seiner Kollegen, wie der schmalgesichtige Angeklagte am Montag erklärte, hätten ihn veranlasst, einem algerischen Kokain-Händler zur Freiheit zu verhelfen.

Mitangeklagt ist neben der Freundin des Flüchtigen ein 33-jähriger Landsmann. Die 40-jährige Frau hatte zuvor ihren Lebensgefährten ans Messer geliefert. Sie bestritt aber jede Beteiligung an der Befreiung. Die Algerierin musste am Montag Morgen vorgeführt werden, weil sie den Prozesstermin „verschlafen” hatte. Der zweite Helfer lebte mit falschen Papieren in Aachen, wohnte abwechselnd „bei Freunden”. Nach der Verhaftung des „Flüchtlings” durfte er dessen Wohnung benutzen.

Tag der „offenen Türen”

Von hier aus organisierte er den Tag der „offenen Türen”. Dafür hatte er neben Bargeld auch etwa 50 Gramm Kokain zur Verfügung. Mit dem Stoff und mit 5000 Euro Honorar köderte er den Gefängniswärter, den er in einer Aachener Kneipe kennen lernte. Der war von seinem Job so angeödet, dass er seit März 2003 immer öfter Trost bei einer „Linie” suchte. Als Fingerübung brachte er dem Gefangenen öfters Briefe und Lebensmittel mit in den Knast. In der Fluchtnacht wartete der Wärter, bis er ab 0.45 Uhr für 15 Minuten alleine Dienst tat. Dann versteckte er den Gefangenen, der wie im Film sein Bett präpariert hatte, zunächst im Küchenhof. Solange, bis die Kollegen auf der Außenrunde waren.

Nächste Station war die Innenpforte. Dort verbarg er den Flüchtigen, bis er nach dem Rotationsprinzip gegen 3 Uhr Dienst an der Außenpforte schob. Er habe den Türöffner gedrückt, und der Insasse sei auf den Adalbertsteinweg spaziert. Von ihm fehlt bis heute jede Spur.

Das Urteil wird am kommenden Dienstag erwartet.