1. Kultur

St: Die Besten sollen noch besser werden

St : Die Besten sollen noch besser werden

Gallen/Aachen. Einen herrlichen Anblick bietet in diesen sonnigen Apriltagen der schneebedeckte Säntis im schweizerischen Kanton St. Gallen. Wer in der anmutigen Hauptstadt des Kantons anerkannt sein will, muss das 2500 Meter hohe Massiv wenigstens einmal erwandert haben, heißt es.

Ob die 17 Teilnehmer des höchstkarätigen Manager-Lehrgangs, der in dieser Woche an der Universität St. Gallen gestartet ist, für solche natürliche Bewährungsproben Zeit finden werden, ist zweifelhaft. Täglich zehn Stunden lang lassen sich gestandene, großteils sogar promovierte Ingenieure mit einigen Jahren Berufserfahrung in Leitungspositionen von den Top-Wissenschaftlern zweier Elite-Hochschulen zu „Executive MBA für Technologie-Management” weiterbilden.

Neudeutscher Wortklumpen

Ein neudeutscher, kaum zu übersetzender Wortklumpen, mit dem die Universität St. Gallen und die RWTH Aachen eine Spitzenmarke im heiß umkämpften Weiterbildungsmarkt der Oberklasse etablieren wollen. MBA steht für Master of Business Administration, also etwa examinierter Geschäftsführer; executive (ausübend) meint die als Voraussetzung verlangte Berufserfahrung. Die ganz spezielle Qualität des Titels aber, mit dem sich die Absolventen nach dem 32000 Euro teuren und 18 Monate langen in zweiwöchigen Blöcken abgehaltenen Kurs schmücken dürfen, liegt in „Technologie” und „Management”.

Die Ende des 19. Jahrhunderts gegründete kleine (5000 Studenten), aber feine Universität von St. Gallen gilt als die Managerschule im deutschsprachigen Raum überhaupt. Die Ingenieursausbildung der RWTH Aachen wiederum rangiert bekanntlich mindestens an der europäischen Spitze. Dass aber diese beiden Hochschulen ihre Exzellenzen nun für die Schulung von künftigen Top-Unternehmern zusammenfügen, liegt entscheidend an einer Person.

Günther Schuh (45), als Nachfolger von Walter Eversheim seit 2002 Direktor des Werkzeugmaschinenlabors (WZL) der RWTH und auch ziemlich erfolgreicher Unternehmer, lehrte zuvor elf Jahre in St. Gallen. Schuh kennt, was und wen man in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik kennen muss, denkt, fährt und handelt mit Vollgas und ist vornehmlich an Höchstleistung interessiert.

„Die Besten für die Besten”, ist einer von den hochfliegenden Sprüchen, die dem schlacksigen, zwei Meter langen Professor ganz selbstverständlich über die Lippen gehen. Was also Rang und Namen in St. Gallen und Aachen hat, unterrichtet unter seiner Leitung im Wechsel an beiden Orten die durch eine strenge Aufnahmeprüfung ausgelesenen Kandidaten, die zwischen 27 und 47 Jahre alt sind. Nach der Aneignung von gut 20 Modulen wie „Prozessmanagement” oder „Technologie-Trends” ist als Examen ein reales Problem in einem Betrieb zu lösen.

Rauhut und der Edellehrgang

Dass „Ingenieure komplex denken und schwierigste Aufgaben lösen können, aber prinzipiell keine Ahnung vom Management haben”, ist für Schuh die grundlegende Legitimation für den Edellehrgang. Burkhard Rauhut, Rektor der RWTH, der am Mittwoch mit seinem St. Gallener Amtskollegen Peter Gomez („in Europa gibt es nichts Vergleichbares”) den Kurs offiziell eröffnete, machte klar, dass man den Bedarf daran nachhaltig zu fördern gedenkt: „Auf Dauer wollen wir ein Bewusstsein schaffen, dass man so etwas gemacht haben muss.”

Für den nächsten Kurs, der im Juni 2005 startet, liegen schon die ersten Anmeldungen vor. Vielleicht schafft der es ja auf den Säntis. Aber irgendwie will man wohl noch höher hinaus.