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Moers: Die alten Schubladen gelten schon lange nicht mehr

Moers : Die alten Schubladen gelten schon lange nicht mehr

Offenbar ist nicht einmal Burkhard Hennen unersetzlich. Vor zwei Jahren hatte der Gründer und scheinbar ewige Leiter des „Moers Festival” nach 34 Jahren das Handtuch geschmissen. Und ganz viele dachten, nun kann nichts Gutes mehr kommen. Konnte es doch. Reiner Michalke, der neue Leiter, präsentierte ein Programm, an dem es nichts zu meckern, wenngleich auch nicht so viel zu berauschen gibt.

Massenspektakel mit hundert überdrehten Japanern auf der Bühne sind nicht sein Ding. Und auch nicht Hennens Hang zur Weltfolklore. Beides kann man auch vermissen. Doch mit dem diesjährigen Pfingst-Programm wagt Michalke mehr Kontur. Das breite Publikum wird noch weniger Namen kennen -Ê und noch mehr Überraschungen erleben können.

Die Kiste, wo Jazz drauf steht, ist in Moers schon längst aufgebrochen. Der einzige gemeinsame Nenner der meisten Musiker ist noch, dass sie die Komplexität beherrschen, die „Jazz” erst spannend macht. Daraus entwickeln sich heute alle möglichen individuellen Präsentationen, oft mit viel Elektronik und Visualisierungen. Viele kommen aber auch wieder mit akustischen Instrumenten aus. Eingängigkeit ist hier aber kein Top-Wert. Und Richtungen kann man kaum noch nennen.

Global ist die avancierte zeitgenössische Moerser Musik in jedem Fall: New York, San Francisco, Australien, Nordafrika, Skandinavien, Rom, Wien, Niederlande, sowie Tokyo und Peking.

In kleineren Besetzungen ist Japan wieder sehr stark (und laut) vertreten. Zwischenkulturelle Premiere hingegen ist die Verbindung eines chinesischen Klangmalers mit einem Kollegen aus Belgien, der in Peking lebt. Groove zum „Abrocken” gibt es aber auch, Funk aus New York am Eröffnungsabend. Und Steve Coleman wird seine Five Elements am Pfingstsonntag mit einem Hip-Hop-Kollektiv fusionieren.

Natürlich kann auch wieder (kosten-) frei im Schlosspark um das Veranstaltungszelt herum gecampt werden. Nur wird dringend um mehr Entsorgungsbewusstsein gebeten, sonst hat es sich in Zukunft mit „umsonst und draußen”.

Völlig zu Recht übrigens. Was die zigtausend Camper jedes Jahr liegen lassen, ist eine kaum fassbare, aber teure Schweinerei.