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Düsseldorf: Der „Zyklop” zeigt sein Werk: Fotograf Albert Watson in Düsseldorf

Düsseldorf : Der „Zyklop” zeigt sein Werk: Fotograf Albert Watson in Düsseldorf

„Gotteszeichen” nennt der „Zyklop”, der aus Schottland gebürtige Fotograf Albert Watson, seine Aufnahme von der Neonreklame für „GOD”. So steht es auf einem Schild mit strahlender US-amerikanischer Flagge, das der wegen seines nur einen „sehenden” Auges „Zyklop” genannte Watson irgendwo in den Vereinigten Staaten fand.

Das Bild mit dem „göttlich” großartigen, blutorangenen Sonnenuntergang im himmlisch türkisen Himmel entstand unter dem Eindruck der Terroranschläge vom 11. September 2001. Zusammen mit rund 160 weiteren Fotografien ist Watsons „GOD” von Sonntag an bis zum 18. Januar im Düsseldorfer NRW-Forum zu sehen.

Als Werbe- und Modefotograf war Watson seit Mitte der 70er Jahre international erfolgreich. Seine Aufnahmen füllen mehrere hundert Magazinseiten und Cover mit Star-Models wie Kate Moss, populären Musikern wie den Rolling Stones oder berühmten Künstlern - etwa Alfred Hitchcock. Das Foto, das den Psychothriller-Regisseur zeigt, wie er eine gänsehäutige Gans am Hals packt, ist die älteste Arbeit in der Schau. Sie stammt aus dem Jahr 1973.

„Best of” heißt die Ausstellung, mit der Watson erstmals in einem deutschen Museum präsentiert wird. Um das „Beste” konkurrieren dabei Watsons zweifelsohne herausragende Modeaufnahmen mit dem Rest des umfangreichen Schaffens des Fotografen. Der erinnert sich: „Mode und Glamour waren ein Teil meines Lebens.” Heute habe er dafür nicht mehr so viel Zeit. Der Grund: „Mehr eigene Projekte”.

Das Spektrum der Watsonschen Arbeit reicht von monumentalen, grandiosen Landschaften, die an eingefrorene Filmbilder erinnern, bis zur Serie mit zeichenhaft schwebenden „Quallen”. Es gibt die impressionistisch verflüchtigten Aufnahmen aus einem „Spaßpark”, in deren Pools - Seerosen gleich - riesig aufgeblasene Plastikringe trudeln. An ein abstraktes Gemälde erinnert dagegen das Triptychon eines seinem Ende entgegen rostenden, einst grünen „Hornet auf dem Autofriedhof”.

Verstörend wirken die harten Aufnahmen etwa aus Strip-Bars und von Domina „Breaunna” aus Las Vegas in Korsett und Stiefeln oder die von den „Lebenslänglichen”. Drei Tage hatte sich Watson zusammen mit den Insassen eines Gefängnisses für seine Porträt-Serie einschließen lassen.

Watson sei ein „Mann voller Bilderlust”, urteilt Werner Lippert vom NRW-Forum in Düsseldorf über den Fotografen, der erst Grafikdesign, dann Film studierte. Beide Ausbildungen, so sagt Watson, hinterlassen ihre Spuren in seiner Arbeit als Fotograf. Als solcher ist er obsessiv: „Wenn ich eine schöne Blume, ein schönes Kind, eine schöne Landschaft sehe, muss ich ein Bild machen.” Wichtig an der Fotografier-Leidenschaft sei aber, sich nicht von der Technik beherrschen zu lassen.

„Kinder” heißt eine neue Serie, die „frisch aus dem Labor” kommt: Aufnahmen, auf denen „verloren gegangene” Kinder zu sehen sind. So wie das, das mutterseelenallein im putzigen Hasenkostüm im Farn steht oder das, das einsam vor einem Laden auf der Straße steht. Ähnlich sei es ihm gegangen, erläutert Watson die beklemmende Bild-Idee: Als Junge habe er im Supermarkt plötzlich allein dagestanden - eine unvergessene, traumatische Erfahrung.