Heimbach: Der Spannungsbogen hält, auch wenn die Saite reißt

Heimbach: Der Spannungsbogen hält, auch wenn die Saite reißt

Zwei thematische Schwerpunkte bestimmen die Woche bei den „Spannungen” im Heimbacher Kraftwerk: die Kammermusik Beethovens von der ersten Cello-Sonate bis zum späten Streichquartett und die russische Musik von Tschaikowsky bis Schnittke.

Gleich drei Russen beherrschten den Eröffnungsabend des Kammermusikfestivals: Schnittke, Prokofieff und Anton Arenski.

Den bekanntesten Beitrag lieferten sechs Ausschnitte aus Prokofieffs Ballettmusik zu „Romeo und Julia”, allerdings in einer Bearbeitung für Viola und Klavier, die den schillernden Klang der authentischen Fassungen für Orchester bzw. Klavier auf eine Mittellage reduziert, durch die die Stücke an Leuchtkraft verlieren. Keine notwendige Bearbeitung, was die Leistungen der ebenso exzellenten wie Heimbach-treuen Solistin Tatjana Masurenko und Matthias Kirschnereit am Klavier freilich nicht schmälern soll.

Mit Arenskis zweitem Streichquartett in der ungewöhnlichen Besetzung für Violine, Viola und zwei Violoncelli wurde das Publikum mit einem spirituell an- und berührenden Werk überrascht, mit dem der Komponist 1894 seinem verstorbenen Freund Tschaikowsky einen würdigen Nachruf schenkte. Das von Daniel Hope (Violine), Maya Rasooly (Viola), Gustav Rivinius und Tanja Tetzlaff (Violoncello) kongenial interpretierte Stück reiht sich nahtlos in die Liste von kammermusikalischen Trauermusiken ein, die Tschaikowsky eröffnete.

Auch das dem 50. Todestag Alban Bergs gewidmete Streichtrio von Alfred Schnittke ist hier zu nennen. Eine klanglich sparsam ausgestattete und von kontemplativer Konzentration getragene Elegie, die Hope, Masurenko und Paul Watkins (Violoncello) unter Spannung halten konnten, auch wenn Frau Masurenko mitten im ersten Satz eine Saite riss.

Ein kleiner „Star” ist noch zu nennen: Die zwölfjährige Shiva Boroojerdi von der Dürener Musikschule eröffnete mit der Uraufführung von drei Stücken den Zyklus „12 pieces for piano” des diesjährigen „Composers in Residence” Thomas Larcher. Damit werden verstärkt junge und ganz junge Leute ins Festival mit einbezogen. Shiva behauptete sich auf dem Podium des Kraftwerks mit Bravour und heimste nicht weniger Applaus ein als ihre professionellen Kollegen. Wie etwa Hope und „Hausherr” Lars Vogt, die den Abend mit einer üppig romantisch durchtränkten Interpretation von Mozarts Violinsonate KV 379 eröffneten.

Heute Abend geht es weiter bei „Spannungen”. Lars Vogt, Christian Tetzlaff und Isabelle Faust gehören zu den prominenten Mitwirkenden.

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