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Aachen: Der „Semester”-Start wird zum Knaller

Aachen : Der „Semester”-Start wird zum Knaller

Dem Orkansturm „Kyrill” folgt der Ansturm ins Audimax: 1300 junge Nachwuchswissenschaftler stürmen gegen 16.30 Uhr in den größten Hörsaal, den die RWTH Aachen zu bieten hat. Auftakt zur Kinderuni unserer Zeitung und der Hochschule.

„Das ist ja der reinste Wahnsinn”, meint RWTH-Rektor Burkhard Rauhut, als er seinen Blick über die voll besetzten Sitzreihen schweifen lässt. Er sei hier so eine Art Direktor, meint Rauhut und begrüßt die Kinder im „größten Klassenzimmer der Region”. Dann wird es Zeit für den Beginn der Chemie-Vorlesung mit Professor Ulrich Simon. Der zieht das Sakko aus und schlüpft in den weißen Kittel - „so wie sich das bei einer Experimental-Vorlesung gehört”.

Jonathan Chen, Paula Schönfelder und Edgar Kretschmer (alle acht Jahre) haben Glück gehabt. Sie waren früh genug hier und haben einen der begehrten Plätze gleich vorne in der ersten Reihe ergattert. „Da kann man die Experimente besonders gut sehen”, sagt Edgar, der wie seine beiden Banknachbarn in die dritte Klasse der Grundschule Vaalserquartier geht. „75 Kinder unserer Schule sind heute dabei. Ich finde die Idee Kinderuni einfach klasse”, meint Schulleiterin Ute Ketteniß.

Edgar, Jonathan und Paula sind in Begleitung ihrer Mütter gekommen. Doch Eltern müssen an diesem Tag draußen bleiben - kein Zutritt ins Audimax. „Wir sind froh, dass wir überhaupt alle Kinder unterbringen konnten, so gigantisch waren die Anmeldezahlen”, meint Wolfgang Loggen, Leiter der Zentralen Studienberatung der RWTH, der das Projekt federführend organisiert.

Acht Vorlesungen stehen im Rahmen der Kinderuni bis Dezember auf dem Programm. Für jede besuchte Vorlesung gibt es einen Eintrag im „Studienausweis” - „hier ist mein erster Stempel”, strahlt Paula stolz. Und beim Einlass in den Hörsaal bekommen alle ein Mini-Hand-Wärmekissen - „wenn man das Metallplättchen in dem Kissen zerdrückt, wird es auf einmal ganz schön warm”, erklärt Jonathan. Das habe was mit Kristallisation zu tun... Der kleine Mann ist bereits ganz schön fit in Chemie. Und doch lernt er in der 50-minütigen Vorlesung eine ganze Menge dazu.

Zu den guten Gepflogenheiten einer Vorlesung in Chemie gehören die spontanen Reaktionen aus dem Auditorium. Ob die Zuhörer Beifall klatschen oder lautstark Buh rufen, hängt allein von dem Erfolg der Versuche ab, die der Herr Professor vorne vor der riesigen Leinwand für alle gut sichtbar durchführt. Ulrich Simon erntet an diesem Tag ausschließlich donnernden Applaus - ob beim Kohlendioxid-Versuch mit dem Feuerlöscher, beim Einsatz des Bunsenbrenners oder dem Experimentieren mit Kochsalz.

Zwischendurch muss er die kleinen Studenten zwar immer mal wieder um etwas mehr Ruhe bitten, doch im Großen und Ganzen verläuft die Vorlesung ohne größere Störungen. „Toll, wie die Kinder zugehört haben, das hätte ich gar nicht für möglich gehalten”, ist der Professor begeistert.

Als er jedoch zum großen Finale einen mit Wasserstoff gefüllten Ball zum platzen bringt, ist das Geschrei groß. Jetzt sind die Acht- bis Zwölfjährigen nicht mehr zu halten - „Zugabe, Zugabe” schallt es durch das Audimax. Dann stürmen sie nach unten, umringen den Professor im weißen Kittel. Und der kommt zu der eher seltenen Ehre einer Autogrammstunde - der Chemie-Prof wird zum Star.

Weitere Termine: 23. Feb., 20. April, 11. Mai, 15. Juni, 21. Sept., 12. Okt., 14. Dez. 2007, um 17 Uhr, Dauer 45 Minuten.

Ort: Aachen, Audimax, Wüllnerstraße/Ecke Turmstraße.

Alter: mindestens. 8 Jahre, Zutritt nur mit einem „Studienausweis” (Ausweise sind komplett vergriffen!)

Für jeden Vorlesungsbesuch gibt es einen Anwesenheitsstempel im Ausweis.

Unter den Kindern mit den meisten Stempeln werden Exkursionen ausgelost.

Organisation: Wolfgang Loggen, Leiter der Zentralen Studienberatung der RWTH Aachen, Tel. 0241-80 99 403, e-Mail: mailto:Wolfgang.Loggen@zhv.rwth-aachen.de