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Eupen: Der musikalische Marathon ist eine „runde Sache” geblieben

Eupen : Der musikalische Marathon ist eine „runde Sache” geblieben

Am Markt ein Eis schlecken, im Takt der Musik nicken, zum Werthplatz schlendern, ein trockenes Plätzchen an der Theke finden - und los: Musik Marathon, die „Variante Volkslauf”.

Auf der Hauptbühne spielen Reamonn, die deutsche Band mit dem irischen Frontmann Rea Garvey. Richtig, der Typ mit dem „Supergirl”, wer kennt es nicht. Natürlich werden Reamonn ihren größten Hit als Zugabe spielen, nicht ohne sich vorher ein bisschen darum bitten zu lassen.

Also erst einmal zurücklehnen und hören, was Rea zu bieten hat. „Put your hands in the air!” Na schön, die Hände hoch. „Eupen, are your ready?” Geht so. An der Theke prosten sich die „Volksläufer” grinsend zu. Spätestens jetzt wird klar: Rea hat sie alle drauf, die großen Rock-Posen.

Bloß wollen ihm nicht alle gleichermaßen gut gelingen. Trotzdem ist die Stimmung auf dem Werthplatz prächtig. Reamonn sind die Meister des weichgespülten, Hitradio-kompatiblen Pop-Rocks. Musik, die nicht aufregt, an der man sich nicht reiben kann. Einfach schön, sagen viele.

Letzteres trifft auf den Musik-Marathon in Eupen bereits seit Jahren zu. Aus einem eher kleinen, lokalen Musikfest entstand binnen kurzer Zeit eines der größten Festivals der Region. Eines, das in seinem Herzen immer noch Volksfest geblieben ist.

Dafür sorgte schon immer die große Bandbreite unterschiedlicher Musikstile und die beeindruckende Kinderfreundlichkeit des Festivals. „Einfach eine runde Sache, dieser Marathon”, bilanziert Christiane Kreber vom Veranstalter Chudoscnik Sunergia und vermeldet einen neuen Besucherrekord: Rund 10.000 Gäste sind gekommen, auch der Vorverkauf lief in diesem Jahr gut. „Vor allem die Beatsteaks haben beim jungen Publikum mächtig gezogen”, sagt Kreber.

Das Konzert der genannten Combo bildet zugleich den Auftakt für einen Musik-Marathon für Ambitionierte, quasi den „Eupener Halbmarathon”: Schreien, was die Lunge hergibt. Hüpfen ohne Rücksicht auf Verluste. Stagediving bis der Arzt kommt. Zumindest im Dezibelbereich liegen die Beatsteaks an diesem Tag in Eupen ganz vorne.

Die Berliner präsentieren ihr neues Album „Limbo Messiah” und natürlich altbewährte Party-Kracher vom Schlage eines „Hand in Hand”. Das kommt an beim jungen Publikum: Der Platz bebt, als Sänger Arnim zu einem Ausflug ansetzt und das Kartenhäuschen des Veranstalters vor der Werthkapelle erklimmt.

Die Ortskenntnis kommt nicht von ungefähr, schließlich sind die Beatsteaks in Eupen keine Unbekannten - ihre Gigs im Capitol und beim Musik Marathon vor zwei Jahren gelten schon fast als legendär.

Derart eingestimmt geht es weiter in den Stadtpark, wo sich erstmals eine große, überdachte Bühne an die alten Bäume schmiegt. Club-Atmosphäre macht sich breit, was auch an den dort aktiven Künstlern liegt: Kraak & Smaak, ein in Deutschland weitgehend unbekanntes Electro-Funk-Trio aus den Niederlanden, sind vielleicht die Entdeckung des Festivals.

Gekonnt mischen die Musiker und DJ´s treibende Beats wie sphärische Computer-Sounds mit warmem Soul zu einem ungemein faszinierenden, tanzbaren Ganzen - nicht nur live ein Geheimtipp!

Nach so viel Körperertüchtigung bleibt dem „Halbmarathonler” schließlich noch entspanntes Chillen beim anschließenden Auftritt Joy Denalanes im Stadtpark. Die deutsche Soul-Diva, bekannt schon aus Freundeskreis-Zeiten, begeistert mit einer unerhört lässigen Mixtur aus Hip-Hop, Soul und Jazz, gespickt mit allerlei afrikanischen Einflüssen. Was jetzt nur noch fehlt ist ein flauschiges Sofa.

Dem Marathon-Hörer mit professionellem Anspruch kann das nicht reichen: Spätestens zu Halbzeit eines Konzerts zur nächsten von insgesamt zehn Bühnen hetzen, zwischendurch ein Chor-Konzert in der Nikolaus-Kirche mitnehmen und natürlich den Top-Act Sergent Garcia trotz strömenden Regens bis zur letzten Minute auskosten - das ist der Klassiker. Da spielt es keine Rolle, dass Monsieur Garcia außerhalb Frankreichs und der Wallonie nur Kennern ein Begriff ist. Es ist eher eine letzte große Herausforderung.